Giftanschläge auf Rettungswache: Sanitäterin zu mehreren Jahren Haft verurteilt
Giftanschläge: Sanitäterin zu Haftstrafe verurteilt

Giftanschläge auf Rettungswache: Sanitäterin zu mehreren Jahren Haft verurteilt

Eine 25-jährige angehende Notfallsanitäterin aus dem Kreis Ludwigsburg ist wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Haftstrafe von drei Jahren und acht Monaten verurteilt worden. Die Strafkammer des Heilbronner Landgerichts befand die Frau für schuldig, zwischen Oktober 2023 und April 2024 in mindestens vier Fällen verschreibungspflichtige Medikamente gestohlen und heimlich in die Getränke ihrer Kollegen gemischt zu haben.

Details der Taten und gesundheitliche Folgen

Laut den Ermittlungen mischte die Verurteilte die Arzneimittel in verschiedene Getränke, darunter eine Trinkflasche mit Bitter Lemon und Wasser, ein Glas Wasser, Eistee und sogar den Kaffee eines ahnungslosen Kollegen. Unter den verwendeten Substanzen befand sich auch Atropin, ein aus der Tollkirsche gewonnenes Medikament, das wasserlöslich ist und bei Überdosierung tödlich wirken kann. Die betroffenen Sanitäter litten daraufhin unter Symptomen wie Herzrasen und Doppelsicht. Ein Kollege erlitt während eines Einsatzes Ausfallerscheinungen und musste selbst mit dem Rettungswagen abgeholt werden, was die Ernsthaftigkeit der Vergiftungen unterstreicht.

Motive und rechtliche Bewertung

Die Angeklagte räumte ihre Taten bereits zu Prozessbeginn ein und führte als Motiv massiven Druck und Mobbing während ihrer Ausbildung an. Sie betonte jedoch, keine Absicht gehabt zu haben, jemanden zu verletzen oder zu töten, sondern lediglich den Kollegen auf der Rettungswache in Vaihingen/Enz "eins auswischen" und sie "ärgern" zu wollen. Die Kammer folgte dieser Darstellung teilweise und verurteilte sie wegen gefährlicher Körperverletzung, während die Staatsanwaltschaft ursprünglich versuchten Mord in vier Fällen vorgeworfen hatte. Die Anklage argumentierte, die Frau habe die potenziell lebensgefährliche Wirkung der Medikamente mindestens vorhergesehen und billigend in Kauf genommen, wobei die Kollegen nur zufällig überlebten.

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Prozessverlauf und Hintergründe

Der Prozess musste neu aufgerollt werden, nachdem die erste Auflage im Dezember vergangenen Jahres geplatzt war, weil ein ehrenamtlicher Richter verstorben war. Dies unterstreicht die Komplexität und Dauer des Verfahrens. Die Verurteilung markiert nun das Ende eines aufsehenerregenden Falls, der Fragen zu Sicherheitsstandards und Arbeitsklima in Rettungsdiensten aufwirft. Die Haftstrafe dient als deutliches Signal, dass solche gefährlichen Handlungen schwerwiegende Konsequenzen haben, unabhängig von den zugrunde liegenden Motiven wie Mobbing oder persönlichem Druck.

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