Spektakulärer Bitcoin-Betrugsprozess in Bamberg mit 180 Millionen Euro Schaden
Vor dem Landgericht Bamberg hat ein außergewöhnlicher Hochsicherheitsprozess begonnen, der zu den größten Betrugsverfahren Deutschlands zählt. Schwer bewaffnete Polizeikräfte mit Maschinenpistolen sichern das Gerichtsgebäude, während strenge Kontrollen für Besucher gelten. Handys, Laptops und Kameras sind strikt verboten, was die Bedeutung dieses Verfahrens unterstreicht.
Anklage: Bande- und gewerbsmäßiger Betrug mit internationalen Fake-Plattformen
Im Mittelpunkt steht der 50-jährige Mikheil B., der sowohl die israelische als auch die georgische Staatsangehörigkeit besitzt. Ihm wird vorgeworfen, eine zentrale Rolle in der sogenannten „Milton-Group“ gespielt zu haben, die über manipulierte Online-Trading-Plattformen Anleger weltweit betrogen haben soll. Die Staatsanwaltschaft Bamberg geht von einem Gesamtschaden von mindestens 180 Millionen Euro aus.
Allein im deutschsprachigen Raum sollen etwa 1000 Geschädigte ihr Geld verloren haben, wobei dem Angeklagten persönlich ein nachgewiesener Schaden von rund 52 Millionen Euro zur Last gelegt wird. Ermittler vermuten jedoch, dass die tatsächliche Summe deutlich höher liegt. Dem Beschuldigten sollen etwa 29 Millionen Euro aus den Betrugsaktionen zugeflossen sein.
Razzia mit umfangreichen Beschlagnahmungen und internationalen Ermittlungen
Im Vorfeld des Prozesses führten Behörden eine großangelegte Razzia durch, bei der 500 Computer, Handys und zahlreiche Unterlagen beschlagnahmt wurden. Die Staatsanwaltschaft froh zudem Vermögenswerte in zweistelliger Millionenhöhe ein, darunter Konten, Bargeld und Bitcoin-Wallets.
Die Ermittlungen der bayerischen Cybercrime-Stelle erstreckten sich über sechs Jahre und waren aufgrund internationaler Verflechtungen äußerst komplex. Es wurde sogar ein Joint Investigation Team (JIT) mit Behörden aus Albanien und Georgien gebildet, um die grenzüberschreitenden Aktivitäten der Bande aufzuklären.
Betrugsmethoden: Manipulierte Charts und hierarchische Organisation
Laut Anklage lockten die Täter ihre Opfer mit betrügerischen Werbekampagnen, die Prominente oder Politiker vorspiegelten. Angeblich sollten Investitionen in digitale Finanzprodukte hohe Gewinne bringen. In Wirklichkeit handelte es sich um vollständig fingierte Plattformen, die mit manipulierten Charts und simulierten Kursentwicklungen arbeiteten.
Insgesamt sollen etwa 400 solcher Fake-Trading-Plattformen betrieben worden sein, darunter auch „CryptoKartal“, auf der ein österreichischer Anleger innerhalb von sieben Monaten über 11 Millionen Euro verlor. Die Organisation arbeitete streng hierarchisch mit klaren Tageszielen und unterhielt Callcenter in Albanien, Georgien, Nordmazedonien und der Ukraine.
Festnahme, Auslieferung und Teilgeständnis des Angeklagten
Mikheil B. wurde 2023 in Armenien festgenommen und nach Deutschland ausgeliefert. Seitdem befindet er sich in Untersuchungshaft. Vor Gericht räumte einer seiner vier Verteidiger ein, dass der Angeklagte die Leitung der Operationen verantwortet habe. Er sei sich bewusst gewesen, dass seine Technik missbraucht werden könnte, und habe billigend in Kauf genommen, dass Anleger betrogen würden. Heute bedauere er seine Handlungen zutiefst.
Der Prozess in Bamberg wird voraussichtlich noch längere Zeit andauern und weitere Einblicke in eines der aufwendigsten Cybercrime-Verfahren der jüngeren deutschen Justizgeschichte liefern.



