Eine ungewöhnliche Liebesgeschichte aus Lüneburg
Während sich die meisten Paare über Dating-Apps, im Freundeskreis oder im Berufsalltag kennenlernen, begann die Romanze von Yvonne (37) und Dennis von der Fecht (32) an einem Ort, der normalerweise mit Trauer und Abschied verbunden ist. Der junge Bestatter kam im April 2014, um den verstorbenen Vater von Yvonne abzuholen – und dieser traurige Moment sollte ihr Leben für immer verändern.
Der lange Abschied von einem starken Vater
Wilfried Keilack hatte seit elf Jahren gegen den Krebs gekämpft. Erst Darmkrebs, später Metastasen in der Lunge. Elf Jahre voller Hoffnungen, Rückschläge und medizinischer Behandlungen. Trotz der schweren Erkrankung zeigte der Familienvater einen unbeirrbaren Willen, so lange wie möglich für seine Familie da zu sein. „Er stand im Garten, packte an und wollte stark bleiben“, erinnert sich seine Tochter Yvonne. „Aber es war schlimm zu sehen, wie ihn die Kräfte immer mehr verließen.“
Yvonne hatte gerade ihr Sozialpädagogik-Studium abgeschlossen und wohnte bewusst noch zu Hause, weil sie ahnte, dass die gemeinsame Zeit mit ihrem Vater begrenzt war. In der Nacht zum 2. April 2014 klopfte ihre Mutter Renate leise an ihre Zimmertür und sagte die schwierigen Worte: „Ich glaube, Papa ist gerade gestorben.“ Der Notarzt konnte nur noch den Tod feststellen, und zurück blieb ein Gefühlschaos aus Erleichterung über das Ende des Leidens und tiefer Trauer über den Verlust.
Die unerwartete Begegnung mit dem jungen Bestatter
Als es an der Tür klingelte, öffnete Yvonne – und stand einem jungen blonden Mann gegenüber, der gerade einmal 20 Jahre alt war und bereits Bestattermeister: Dennis von der Fecht. „Irgendwie hatte ich mir jemanden mit diesem Beruf anders vorgestellt“, dachte sie damals. Und in all der Schwere und Trauer fiel ihr etwas ganz Banales auf: „Er roch so gut.“
Dennis kümmerte sich professionell und einfühlsam um die Überführung von Wilfried Keilack, besprach mit der Familie die Trauerfeier, suchte den passenden Sarg aus und fand tröstende Worte. Obwohl er Yvonne sofort attraktiv fand und ihre Art ihm nicht aus dem Kopf ging, hielt er professionellen Abstand. „Eigentlich ist das ja ein No-Go, mit einem trauernden Angehörigen anzubandeln“, erklärt er heute.
Vom ersten Kontakt zur großen Liebe
Doch Yvonne dachte ständig an den einfühlsamen Bestatter und sprach immer wieder von ihm. Nach der Beerdigung fasste sie sich ein Herz und schickte Dennis über Facebook eine Freundschaftsanfrage. Aus ersten Nachrichten entwickelten sich lange Gespräche, aus Gesprächen wurden Treffen in der Mittagspause, und schließlich folgte ein richtiges Date. Nur sechs Wochen nach dem Tod ihres Vaters küssten sie sich zum ersten Mal und wurden ein Paar.
Für Yvonnes Mutter Renate fühlte sich die Situation anfangs seltsam an. „Plötzlich saß der Bestatter meines Mannes am Frühstückstisch. Das war zuerst schon komisch“, erinnert sie sich. Heute erzählt sie diese Geschichte jedoch mit einem warmen Lächeln.
Vom Trauerfall zur glücklichen Familie
Yvonne und Dennis bauten sich ein gemeinsames Zuhause auf und heirateten 2018 kirchlich. Wilfried Keilack war an diesem besonderen Tag auf emotionale Weise dabei: Während der Trauung zündeten sie eine Kerze für ihn an, und am Brautstraß hing ein kleines Amulett mit einem Foto des verstorbenen Vaters.
Das Paar hat mittlerweile einen Pflegesohn und vor vier Monaten kam ihr drittes gemeinsames Kind zur Welt. Yvonne resümiert heute: „Der 2. April war gleichzeitig der schlimmste und der schönste Tag in meinem Leben. Mein Papa ist gegangen, hat mir aber meinen Mann und gleichzeitig meine Kinder geschickt.“
Oma Renate wohnt nur 900 Meter entfernt und ist oft bei ihren Enkeln zu Besuch. Wenn sie die Kinder lachen hört und Yvonne und Dennis zusammen sieht, sagt sie leise: „Wilfried wäre zufrieden, wenn er uns so sehen könnte.“
Für beide ist der Tod heute kein Tabuthema mehr. Auch mit ihren Kindern sprechen sie offen über Lebenszyklen und Abschiede – eine Offenheit, die aus ihrer besonderen Geschichte erwächst.



