Schulschwimmen in Sachsen-Anhalt: Freibäder als Notlösung trotz angespannter Kommunalfinanzen
In Sachsen-Anhalt bleibt der Schwimmunterricht an Schulen trotz klammem Haushalten der Kommunen eine verpflichtende Aufgabe. Eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur zeigt jedoch, dass viele Gemeinden und Landkreise mit erheblichen Herausforderungen kämpfen. Während in Leipzig kürzlich Diskussionen über mögliche Streichungen von Schwimmzeiten aufkamen, betonen sachsen-anhaltische Kommunen die rechtliche Verpflichtung zur Aufrechterhaltung des Unterrichts.
Rechtliche Verpflichtung versus finanzielle Realität
Der Landkreis Jerichower Land erklärt deutlich: „Das Schulschwimmen ist als Teil des Sportunterrichts eine Pflichtaufgabe, die unabhängig von der Haushaltslage erfüllt werden muss.“ Diese Position teilen zahlreiche andere Kommunen wie Osterwieck im Harz. Dennoch zeichnet sich ein düsteres finanzielles Bild ab. Die Verbandsgemeinde An der Finne im Burgenlandkreis warnt, dass die prekäre Haushaltslage eine zukünftige Finanzierung immer schwieriger gestalten könnte.
Weitere Kommunen wie die Gemeinde Biederitz, der Salzlandkreis und die Stadt Gräfenhainichen bestätigen extrem angespannte Haushaltssituationen. „Wir befinden uns teilweise in Haushaltskonsolidierungsprozessen“, heißt es aus Kreisen der Verwaltung. Trotz dieser finanziellen Belastungen betonen alle befragten Stellen, dass eine Streichung des Schwimmunterrichts aktuell nicht zur Debatte steht.
Organisatorische Hürden und infrastrukturelle Defizite
Die praktische Umsetzung des Schwimmunterrichts gestaltet sich jedoch komplex. Ein Kernproblem ist der Mangel an geeigneten Wasserflächen und knappe Hallenkapazitäten. „Bei den weiterführenden Schulen bieten nicht alle Einrichtungen Schwimmunterricht an“, berichtet eine Sprecherin des Landkreises Börde. Diese infrastrukturellen Engpässe werden durch weitere Faktoren verschärft.
Neben fehlenden Badeanstalten klagen Kommunen über einen akuten Mangel an Fachpersonal und qualifizierten Lehrkräften. Besonders in ländlichen Regionen kommen lange Anfahrtswege zum nächsten Schwimmbad hinzu, die einen erheblichen zeitlichen Aufwand bedeuten. Neben den Betriebskosten der Bäder entstehen so zusätzliche Fahrtkosten, die die kommunalen Haushalte weiter belasten.
Freibäder als saisonale Alternative
Vor allem kleinere Gemeinden im ländlichen Raum setzen daher auf nahegelegene Freibäder als Alternative. Diese werden im Blockmodell genutzt, erfordern jedoch spezielle Ausnahmegenehmigungen. Im Landkreis Börde finden Schwimmkurse saisonal in den Freibädern von Zielitz und Wanzleben statt. Auch in Osterwieck im Harz nutzt eine Grundschule das örtliche Freibad für den Unterricht.
Doch nicht überall werden solche Ausnahmegenehmigungen erteilt. Havelbergs Bürgermeister Mathias Bölt (parteilos) aus dem Landkreis Stendal kritisiert diese Praxis: „Aus unserer Sicht muss das Ziel sein, guten Schwimmunterricht mit möglichst kurzen Wegen für die Schülerinnen und Schüler zu ermöglichen.“ Er fordert, dass bei der Bewertung geeigneter Schwimmstätten auch vorhandene Freibäder berücksichtigt werden müssen.
Zentrale Anlaufpunkte und Kapazitätsengpässe
Einige Städte übernehmen eine Schlüsselrolle bei der Bewältigung der Engpässe. Die Stadt Leuna positioniert sich als zentraler Anlaufpunkt für Schulen aus dem südlichen Sachsen-Anhalt. Stadtsprecherin Heike Hickmann erklärt: „Wir kompensieren aktiv Kapazitätsengpässe im Umkreis, die durch Schließungen oder Sanierungen entstanden sind.“ Dies betrifft unter anderem das Stadtbad Halle sowie zeitweise Bäder in Weißenfels und Naumburg.
Im vergangenen Jahr nutzten etwa 10.000 Kinder und Jugendliche die Schwimmhalle in Leuna für den Unterricht. Insgesamt 17 Schulen aus dem Saale- und Burgenlandkreis besuchen regelmäßig die Einrichtung. Diese zentrale Funktion zeigt, wie Kommunen durch Kooperation versuchen, die infrastrukturellen Defizite auszugleichen und den verpflichtenden Schwimmunterricht aufrechtzuerhalten.



