Schule in NRW: Pausenbrot-Streit wegen Ramadan - Eltern kritisieren 'Wegdreh-Regel'
Pausenbrot-Streit an NRW-Schule: Eltern kritisieren 'Wegdreh-Regel'

Pausenbrot-Konflikt an Gesamtschule: Ramadan sorgt für Spannungen

An einer Gesamtschule in Nordrhein-Westfalen ist ein emotionaler Streit um das Pausenbrot während des muslimischen Fastenmonats Ramadan entbrannt. Mehrere Eltern haben sich an Medien gewandt, nachdem ihre Kinder offenbar von Mitschülern schikaniert wurden. Die Situation hat zu kontroversen Diskussionen über Integration und Schulkultur geführt.

Eltern berichten von Hänseleien und Ausgrenzung

Laut Aussagen besorgter Eltern sollen muslimische Kinder ihren nicht-fastenden Mitschülern gesagt haben: "Wir haben Ramadan, du musst jetzt fasten und dein Brot in die Tonne werfen!" Als sich betroffene Mädchen an eine Lehrkraft wandten, erhielten sie die Anweisung, sich beim Essen wegzudrehen. Eine Mutter schilderte der "Bild-Zeitung" detailliert die Vorfälle in der Klasse ihrer zehn- bis zwölfjährigen Tochter.

Die Klasse besteht aus 21 Schülerinnen und Schülern, von denen 17 einen Migrationshintergrund haben sollen. Mehrere dieser Kinder feiern derzeit den Ramadan und fasten von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang. Die Eltern berichten von weiteren Vorfällen, bei denen fastende Schüler "Würge- und Kotzgeräusche" gemacht hätten, wenn andere Kinder aßen. Auch beleidigende Äußerungen wie "hässliches deutsches Mädchen" sollen gefallen sein.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Umstrittene 'Wegdreh-Regel' und Schulreaktion

Besonders kontrovers wird die von der Schule kommunizierte "Wegdreh-Regel" diskutiert. Laut einer schriftlichen Antwort der Lehrkraft sollen Kinder, die nicht fasten, "nicht mit ihrem Essen provozieren" und sich beim Verzehr ihrer Mahlzeiten gegenseitig nicht beobachten. Diese Regelung soll für alle Schülerinnen und Schüler gelten, unabhängig von ihrer religiösen Zugehörigkeit.

Die Gesamtschule selbst veröffentlichte am Montag auf Instagram eine offizielle Stellungnahme, in der weder Ramadan, Iftar noch die "Wegdreh-Regel" explizit thematisiert werden. Stattdessen heißt es, dass aktuell "die Werte der Schule von verschiedenen Seiten in Frage gestellt" werden. Die Schulleitung betont, es gebe keine Hinweise auf ein "grundsätzliches Problem an unserer Schule", verspricht aber eine gründliche Aufarbeitung der Vorfälle in den kommenden Tagen.

Widersprüchliche Signale der Schulkultur

Die Situation erscheint besonders brisant, da die Gesamtschule mit einem großen Motto-Schild als "Schule mit Courage" und "Schule der Vielfalt" wirbt. Eltern kritisieren jedoch, dass im vergangenen Jahr keine gemeinsame Weihnachtsfeier stattfand, während am 27. Februar eine Einladung zum gemeinsamen Fastenbrechen (Iftar) nach Sonnenuntergang in der Schule verschickt wurde.

Die betroffenen Eltern sehen das Problem nicht angemessen adressiert. "Die Schule will einfach nur ihren Ruf retten, anstatt die Situation zu lösen", äußerte eine Mutter gegenüber der "Bild"-Zeitung. Sie befürchten, dass die Vorfälle "totgeschwiegen" werden, anstatt konstruktiv aufgearbeitet zu werden.

Eskalation bis zur Schulaufsicht

Der Konflikt hat mittlerweile über die Schule hinaus Kreise gezogen. Nach Angaben der Zeitung steht die Schulaufsicht bereits in Kontakt mit der Schulleitung. Auch das nordrhein-westfälische Schulministerium will sich den Fall genauer ansehen und prüfen, ob Handlungsbedarf besteht.

Die Gesamtschule sieht die Ursache des Streits in einer "teilweise nicht ganz eindeutigen" Kommunikation. Eltern, bei denen weiterhin Gesprächsbedarf besteht, sollen sich an Leitungs- und Lehrkräfte wenden. Der Ramadan 2026 begann am 19. Februar und endet am 19. März – während dieser Zeit verzichten gläubige Muslime auf Nahrung und Genussmittel, wobei Kinder oft bis zur Pubertät vom Fasten ausgenommen sind.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration