Kleine Truppe mit großem Bühnenherz: Wie drei Schüler das Theaterprojekt in Waren retten
An der Friedrich-Dethloff-Schule in Waren schreibt eine kleine Theatertruppe derzeit ihre eigene Erfolgsgeschichte. Die Theaterwerkstatt „Sööt & Soltig“ hat zwar nur noch drei aktive Mitglieder, doch diese zeigen ein beeindruckendes Engagement unter der Leitung von Kerstin Iselstöger, die von den Kindern liebevoll „Miss Isi“ genannt wird.
Von zehn zu drei: Der harte Kern bleibt
Zu Beginn des Schuljahres hatten sich noch zehn Schülerinnen und Schüler für das Ganztagsangebot angemeldet. Gemeinsam entwickelten sie ein eigenes Weihnachtstheaterstück, das sogar bei der Weihnachtsfeier der Freiwilligen Feuerwehr aufgeführt wurde. Doch im Laufe der Zeit schrumpfte die Gruppe auf nur noch drei Mitglieder: Ole, Max und Lotta.
„Es ist blöd, dass die anderen von einem Tag auf den anderen einfach gegangen sind“, geben die drei verbliebenen Schüler offen zu. Zwischendurch befürchteten sie sogar, dass das gesamte Projekt aufgegeben werden müsste. Doch ihre Leiterin Kerstin Iselstöger ermutigte sie immer wieder: „Ihr seid ein Team, wir machen weiter“ – und setzte diese Worte auch selbst mit großem persönlichem Einsatz um.
Die Rettung der Emma: Ein Stück über Zusammenhalt
Aktuell probt die kleine Truppe für das Stück „Die Rettung der Emma“. In diesem Theaterwerk geht es um ein Schiff der kaiserlichen Marine, das im Sommer 1814 in See sticht – genau in jenem Jahr, in dem Napoleon nach seiner militärischen Niederlage seine Macht abgeben musste. Ursprünglich war das Stück für die gesamte Theatergruppe geschrieben worden, doch die drei verbliebenen Schüler meistern die Herausforderung mit Bravour.
Die Botschaft des Stückes ist zeitlos und aktuell zugleich: „Egal, was ist – ob ein Schiff untergeht und alle auf den Kapitän schimpfen –, am Ende sind alle nur Menschen, egal ob Franzose oder Deutscher“, erklärt Miss Isi mit einem gewinnenden Lachen. „Es zählt, füreinander da zu sein und sich die gute Laune nicht verderben zu lassen.“
Im Stück wächst aus dem Konflikt am Ende eine deutsch-französische Freundschaft – ein Beispiel, das sich laut Iselstöger wunderbar auf viele Länder und Konflikte weltweit übertragen ließe.
Persönliche Motivation: Warum Theater?
Die Gründe, warum sich die drei Kinder für die Theaterwerkstatt entschieden haben, sind ganz unterschiedlich:
- Ole studiert gelegentlich mit seiner Schwester kleine Szenen ein, die sie dann ihren Eltern vorspielen. Sein Talent entdeckte er bereits bei einem Schulprojekt zur Einschulung seiner Schwester.
- Max hatte bereits in der Grundschule Theatererfahrung gesammelt: „Da hatten wir auch Aufführungen, und das hat mir Spaß gemacht.“
- Lotta ist als einziges Mädchen in der Gruppe geblieben: „Ich hab' von der Werkstatt gelesen und gemerkt: Das ist was für mich.“ Sie verkleidet sich mit Vorliebe und schlüpft gern in andere Rollen.
Für Kerstin Iselstöger sind das ideale Voraussetzungen, um auf die Bühne zu gehen und ein Stück mit Leben zu füllen. Sie betont: „Am Ende bleibt der harte Kern übrig, der wirklich will.“
Kostüme, Kulissen und kommende Aufführungen
Die Kinder haben sichtlich Freude an den Kostümen, die Miss Isi für die Aufführungen selbst zusammengestellt und genäht hat. Auch die Kulisse des Schiffes Emma steht bereits bereit – ein beeindruckendes Zeichen für den Einsatz der kleinen Truppe.
Die erste Aufführung von „Die Rettung der Emma“ ist für April geplant und wird vor ehemaligen Lehrern der Friedrich-Dethloff-Schule stattfinden. Weitere öffentliche Termine befinden sich noch in der Planung, doch die kleine Theatertruppe ist bereit, ihr Stück einem größeren Publikum zu präsentieren.
Kerstin Iselstöger sieht in der Entwicklung der Gruppe trotz der schwindenden Teilnehmerzahl etwas Positives: Der Gedanke des Zusammenhalts, den ihr Stück vermittelt, lässt sich ihrer Meinung nach auch gut auf die Theaterwerkstatt selbst übertragen. „Die Botschaft des Stückes lautet: Egal, was ist – am Ende sind alle nur Menschen“, wiederholt sie – eine Weisheit, die ihre kleine Truppe bereits jetzt eindrucksvoll vorlebt.



