Einen Tag nach der vollständigen Sperrung des Brennerpasses, der meistbefahrenen Nord-Süd-Verbindung der Alpen, zeigte sich die Verkehrslage auf Bayerns Straßen weiterhin entspannt. Obwohl im Süden des Freistaates sonniges Wetter herrschte, gab es an diesem Feriensonntag nur geringfügige Staus und stockenden Verkehr – vergleichbar mit einem normalen Sonntag.
Polizei und ADAC melden normale Verkehrslage
Polizei und ADAC berichteten von einem normalen Verkehrsaufkommen. „Es ist alles sehr ruhig“, sagte ein ADAC-Sprecher. Gleichzeitig gingen von vielen Seiten überraschte Kommentare und Dankesworte ein – für die Vernunft der Reisenden, die nach den Stauwarnungen am Samstag weitgehend zu Hause geblieben waren.
Befürchteter Nachholeffekt blieb aus
Verkehrsexperten hatten befürchtet, dass viele Pfingsturlauber, die ihre Fahrt nach Süden oder zurück nach Hause am Samtag wegen der Sperre verschoben hatten, am Sonntag ihre Reise nachholen würden – mit entsprechenden Staus im Süden Bayerns. „Es ist schon ein bisschen was los, aber es ist alles im grünen Bereich“, sagte Josef Seebacher von der Niederlassung Südbayern der Autobahn GmbH des Bundes. Es herrsche ein „Verkehr wie an einem normalen Sonntag“. „Der Nachholeffekt ist nicht festzustellen. Wahrscheinlich ist so, dass sich das gut verteilt.“ Schätzungsweise 30.000 Fahrzeuge wären am Samstag in beide Richtungen über den Brenner gefahren – einige Reisende dürften sich nun am Sonntag ins Auto gesetzt haben.
Deutlich weniger Verkehr als üblich
Am Vortag war es auf Bayerns Straßen so ruhig wie selten. „Im gesamten Netz der südbayerischen Autobahnen hatten wir mindestens 30 Prozent weniger Verkehr als an einem sonstigen normalen Samstag“, sagte Seebacher. Über die Alpen habe es extrem wenig Verkehr gegeben – auch nicht auf der Tauernautobahn oder anderen Ausweichrouten. „Die Leute sind wirklich daheimgeblieben. Dass alle vernünftig waren, damit haben wir nicht gerechnet.“ Dafür bedankte er sich – ebenso wie die Polizei, die wie THW, Bayerisches Rotes Kreuz, Feuerwehr und Landratsämter vorsorglich mit verstärkten Kräften im Einsatz war.
Ruhig wie zuletzt in der Corona-Zeit
„Damit haben auch wir nicht gerechnet, dass die Leute unsere Ratschläge so ernst nehmen und berücksichtigen“, sagte auch der Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, Stefan Sonntag. „Wir sind sehr dankbar dafür. Das Worst-Case-Szenario wäre kein schönes gewesen.“ Das hätte bedeutet: stundenlang in der Hitze im Auto mit Kindern, Hunden oder älteren Leuten. Sogar der Ausflugsverkehr, der sonst an sonnigen Wochenenden für dicke Staus im Süden Münchens sorgt, blieb trotz des letzten sommerlichen Tages vor angekündigten Gewittern weitgehend aus. „Das letzte Mal war in der Corona-Zeit, als es so ruhig auf unseren Straßen war“, sagte Sonntag.
Österreichische Polizei bestätigt geringes Verkehrsaufkommen
Viele Autofahrer hätten sich offenkundig an den dringenden Rat gehalten, an diesem Tag nicht nach Tirol und weiter nach Italien zu fahren, stellte auch die österreichische Polizei fest. An der gesperrten Transitstrecke seien nur 219 Lastwagen zurückgewiesen worden.
Hintergrund der Sperre: Protest gegen Umweltbelastung
Anlass der Sperre war eine Demonstration gegen Umweltschäden und andere Zumutungen durch den Transitverkehr. Rund 5.000 Menschen protestierten direkt auf der Autobahn gegen Lärm, Feinstaub und tägliche Belastungen durch die vielen Staus. Fast 11 Millionen Autos und rund 2,5 Millionen Lastwagen benutzten 2025 laut Autobahnbetreiber Asfinag die mautpflichtige Autobahn. Nach Berechnungen des Ökologie- und Verkehrsverbands VCÖ fuhren vergangenes Jahr fast dreimal so viele Lkw über den Brenner wie über alle Alpen-Transitstrecken der Schweiz.
Brenner-Autobahn: Vom Fortschritt zur Belastung
Ursprünglich war der Bau der Brenner-Autobahn in den 1960er Jahren als völkerverbindendes Ereignis begrüßt worden, und auch als Fortschritt für den Tourismus. Durch den starken Erfolg der Nord-Süd-Verbindung würden nun die negativen Begleiterscheinungen sichtbar, für die man Lösungen finden müsse, sagte Seebacher. Tirol kämpft seit Jahren mit diversen Maßnahmen wie Blockabfertigungen und Fahrverboten für den Transitverkehr durch Ortschaften gegen die Verkehrsflut – und fordert von Deutschland Fortschritte beim Bau des Brenner-Nordzulaufs, der die Bahnstrecke zum Brenner Basistunnel ertüchtigen soll.



