Schraubenwurmfliege in Texas: Gefährlicher Parasit taucht wieder auf
Eine lange als ausgerottet geltende Parasitenart ist überraschend in den USA nachgewiesen worden. Die Maden der Neuwelt-Schraubenwurmfliege ernähren sich von lebendem Gewebe. In Texas wurde der Schädling erstmals seit Jahrzehnten entdeckt. Ein Fall in La Pryor weckt dunkle Erinnerungen an milliardenschwere Schäden in der Vergangenheit.
Erster Nachweis seit 1966
Das US-Landwirtschaftsministerium bestätigte am Mittwoch den Fund der Neuwelt-Schraubenwurmfliege in Texas. Betroffen ist ein drei Wochen altes Kalb in La Pryor im Süden des Bundesstaates, nur rund 80 Kilometer von der Grenze zu Mexiko entfernt. Es handelt sich um den ersten bestätigten Nachweis in Texas seit 1966. Die Behörden richteten um den Fundort eine Quarantänezone mit einem Radius von etwa 20 Kilometern ein. Innerhalb dieses Gebiets dürfen warmblütige Tiere – darunter Nutztiere, Haustiere und Wildtiere – nur nach einer Kontrolle transportiert werden.
Gefahr für Tiere, nicht für Lebensmittel
Die US-Regierung bemüht sich, die Sorgen der Bevölkerung zu dämpfen. Zwar stellen die Larven eine ernste Gefahr für Tiere dar, Lebensmittel seien jedoch nicht betroffen. Das infizierte Kalb werde voraussichtlich vollständig genesen, wenn die Behandlung wie vorgesehen anschlage. Die Neuwelt-Schraubenwurmfliege gilt als außergewöhnlicher Schädling. Anders als die meisten Fliegenarten ernähren sich ihre Maden nicht von abgestorbenem Material, sondern von lebendem Gewebe. Weibliche Tiere legen ihre Eier in offene Wunden oder Schleimhäute. Nach dem Schlüpfen beginnen die Larven, sich durch das Fleisch ihrer Wirte zu fressen.
Betroffene Tiere und Menschen
Betroffen sein können Rinder, andere Nutztiere, Wildtiere, Haustiere und in seltenen Fällen auch Menschen. Unbehandelte Infektionen können tödlich enden. Für die amerikanische Rinderwirtschaft weckt die Entwicklung unangenehme Erinnerungen. Vor ihrer Ausrottung in den 1970er-Jahren verursachte die Fliege in den südlichen Bundesstaaten regelmäßig enorme wirtschaftliche Verluste. Die heutige US-Rinderindustrie hat einen geschätzten Wert von rund 113 Milliarden Dollar.
Ausbreitung in Mexiko
Seit mehr als einem Jahr beobachten Behörden und Branchenvertreter mit wachsender Sorge die Ausbreitung des Schädlings in Mexiko. Nachdem die Art über Jahrzehnte auf Panama begrenzt werden konnte, breitete sie sich Ende 2024 wieder weiter nach Norden aus. Inzwischen wurden in Zentralamerika und Mexiko mehr als 171.000 Tierinfektionen registriert. Nach Angaben der US-Gesundheitsbehörde CDC erkrankten zudem rund 2.000 Menschen, zehn Todesfälle werden mit dem Parasiten in Verbindung gebracht.
Klimawandel begünstigt Rückkehr
Fachleute sehen mehrere Ursachen für die Rückkehr der Fliege. Neben der natürlichen Ausbreitung entlang von Wildtierpopulationen könnte auch der Klimawandel eine Rolle spielen. Die tropische Art profitiert von steigenden Temperaturen. Gleichzeitig treten jene Kälteperioden seltener auf, die die Populationen früher in Grenzregionen regelmäßig dezimierten. Besonders problematisch ist die schnelle Vermehrung der Fliege. Wildtiere wie Hirsche können die Parasiten über weite Strecken verbreiten. Dadurch wird es für Behörden schwierig, neue Ausbrüche frühzeitig einzudämmen.
Millionen steriler Fliegen als Gegenmaßnahme
Die USA setzen nun auf eine Strategie, die bereits vor Jahrzehnten erfolgreich war: den Einsatz steriler Fliegen. Dabei werden massenhaft männliche Tiere gezüchtet und freigesetzt. Paaren sich Weibchen mit diesen sterilen Männchen, bleiben ihre Eier unfruchtbar. Da die Weibchen sich nur einmal im Leben paaren, schrumpft die Population nach und nach. Bereits seit Februar werden in Südtexas sterile Schraubenwurmfliegen ausgebracht. Derzeit setzen die Behörden wöchentlich Millionen Tiere frei. Zusätzlich entstehen neue Zuchtanlagen. So investiert das US-Landwirtschaftsministerium 21 Millionen Dollar in den Umbau einer Anlage im Süden Mexikos. Dort sollen bereits im kommenden Monat sterile Fliegen produziert werden. Darüber hinaus entsteht in Texas eine neue Großanlage im Wert von 750 Millionen Dollar. Sie soll künftig bis zu 300 Millionen sterile Fliegen pro Woche erzeugen können.
Behörden sehen keine Massenverbreitung
Trotz des ersten Falls zeigen sich die Verantwortlichen vorsichtig optimistisch. Nach Angaben von Landwirtschaftsministerin Brooke Rollins gebe es bislang keine Hinweise darauf, dass sich der Schädling dauerhaft in den USA etablieren könne. Die Vorbereitungen der vergangenen Monate hätten dazu beigetragen, eine größere Ausbreitung zu verhindern. Entscheidend sei nun, die Quarantänemaßnahmen einzuhalten und verdächtige Fälle schnell zu melden. Denn auch wenn die Fliege selbst keine großen Entfernungen zurücklegt, kann sie durch Tiere oder den Menschen unbeabsichtigt weiterverbreitet werden.



