Nach wochenlangen Protesten mit mehreren Toten und einer Strafandrohung des Obersten Gerichts hat die kenianische Regierung die Arbeiten an einem Ebola-Quarantänezentrum für US-Bürger gestoppt. Gesundheitsminister Aden Duale ordnete die Einstellung „aller Vorbereitungen, Bauarbeiten und anderer, damit zusammenhängender Tätigkeiten auf dem Luftwaffenstützpunkt Laikipia“ an.
Hintergrund des Konflikts
Die kenianischen Behörden hatten die Errichtung des Quarantänezentrums im Mai angekündigt. Seitdem kam es immer wieder zu Protesten, bei denen mindestens drei Demonstranten getötet wurden. Die Protestierenden befürchteten, dass sich das Ebola-Virus von der Einrichtung aus in Kenia verbreiten könnte, wo bislang noch kein Ebolafall registriert wurde. In der Demokratischen Republik Kongo weitet sich die Ebola-Epidemie indes aus: Die Zahl der Infektionen stieg offiziellen Angaben zufolge auf 1003, 254 Menschen starben. Die Sterblichkeitsrate liegt bei rund 25 Prozent. Fast alle Infektionen und Todesfälle traten in der Provinz Ituri im Nordosten des Landes auf, die Schauplatz bewaffneter Konflikte ist.
Das Quarantänezentrum
In dem Zentrum sollten US-Bürger aus dem Kongo untergebracht werden, die mit dem Ebola-Virus in Kontakt gekommen waren. Es entstand auf dem Luftwaffenstützpunkt Laikipia, rund 200 Kilometer nördlich der Hauptstadt Nairobi. Das Zentrum sollte über 50 Isolierbetten verfügen, von US-Mitarbeitern verwaltet werden und stand kurz vor der Fertigstellung.
Gerichtliche Auseinandersetzungen
Menschenrechtsgruppen hatten vor dem Obersten Gericht in Kenia gegen die Einrichtung geklagt und Ende Mai Recht bekommen. Die Regierung ignorierte die Anordnung der Richter jedoch zunächst. Am Montag drohte der Gerichtshof Gesundheitsminister Duale mit einer Strafe. Daraufhin erschien er vor Gericht und entschuldigte sich. Bis zur Entscheidung im Hauptverfahren würden alle Arbeiten eingestellt, erklärte er.
Politische Dimension
Kenias Präsident William Ruto hatte den Bau des Quarantänezentrums vorangetrieben. „Es wäre äußerst bedauerlich, wenn wir eine Anfrage der Amerikaner, auf ihre eigenen Kosten eine Anlage zu errichten, ablehnen würden, denn dann würden wir sehr unmenschlich aussehen“, erklärte Ruto. Die US-Regierung will keine Ebolapatienten in die USA einreisen lassen. Ein an dem Virus erkrankter US-Bürger war unlängst in der Berliner Charité behandelt worden.



