Globale Krisen könnten Weltbevölkerung bis 2064 halbieren
Globale Krisen könnten Bevölkerung halbieren

Berlin. Immer mehr Menschen? Laut Prognosen soll die Weltbevölkerung wachsen. Doch eine neue Studie zeigt: Auch eine andere Entwicklung wäre möglich. Von Riko Wetendorf, Freier Mitarbeiter

Wissenschaftler warnen vor drastischem Bevölkerungsrückgang

Ist die Menschheit durch globale Krisen und die Folgen des Klimawandels stärker gefährdet als bislang angenommen? Der Wissenschaftler Alessio Zaccone von der Universität Mailand und sein Kollege Kostya Trachenko von der Queen Mary University of London haben auf Grundlage historischer Daten eine Simulation zur zukünftigen Entwicklung der Weltbevölkerung erstellt. Das Ergebnis: Im ungünstigsten Szenario könnte sich die Zahl der Menschen auf der Erde laut der Studie, über die unter anderem Phys.org berichtete, bis zum Jahr 2064 nahezu halbieren.

Ökologische Tragfähigkeit der Erde sinkt

In den vergangenen Jahrzehnten ist die Weltbevölkerung kontinuierlich gewachsen. Nach Angaben der Vereinten Nationen (UN) werden jährlich etwa 70 bis 73 Millionen Menschen mehr geboren als sterben. Trotz dieses anhaltenden Zuwachses liegt die jährliche Wachstumsrate inzwischen nur noch bei rund 0,84 Prozent. Dennoch gehen die Prognosen der Vereinten Nationen davon aus, dass die Weltbevölkerung bis in die 2080er Jahre auf etwa 10,3 Milliarden Menschen anwachsen könnte. Aktuell leben rund 8,3 Milliarden Menschen auf der Erde.

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Zwei Physiker, die ein mathematisches Modell zur Simulation der Entwicklung der Weltbevölkerung entworfen haben, gelangen jedoch im ungünstigsten Szenario zu deutlich abweichenden Ergebnissen. Die Forscher entwickelten eine vergleichsweise einfache, nichtlineare Gleichung, mit der sich die Dynamik des menschlichen Bevölkerungswachstums über einen Zeitraum von rund 12.000 Jahren konsistent und kompakt mathematisch beschreiben lässt.

Das Modell verdeutlicht insbesondere, wie sensibel die Entwicklung der Weltbevölkerung auf plötzliche Veränderungen der Umweltbedingungen reagieren könnte. In einem Szenario, in dem die ökologische Tragfähigkeit der Erde abrupt auf etwa zwei Milliarden Menschen sinken würde, prognostiziert das Modell einen drastischen globalen Bevölkerungsrückgang. Den Berechnungen zufolge könnte sich die Zahl der Menschen weltweit bis zum Jahr 2064 nahezu halbieren.

Warnmodell zur Verletzlichkeit der Menschheit

Zaccone und Trachenko betonen in ihrer Studie ausdrücklich, dass die Modellrechnung nicht als konkrete Vorhersage verstanden werden darf. Vielmehr handelt es sich um ein theoretisches und illustratives Szenario, das die potenzielle Verwundbarkeit der Menschheit gegenüber sich verschärfenden Umwelt- und Gesellschaftskrisen verdeutlichen soll – vornehmlich dann, wenn ökologische Belastungsgrenzen überschritten werden.

Nach den derzeit verfügbaren Daten bewegt sich die Entwicklung der Weltbevölkerung laut dem Modell weiterhin in vergleichsweise stabilen Bahnen. Ein unmittelbarer globaler Zusammenbruch lässt sich aus den aktuellen Berechnungen nicht ableiten. Das mathematische Modell soll vor allem dazu beitragen, hypothetische Zukunftsszenarien wissenschaftlich besser einordnen zu können und ein tieferes Verständnis für die Empfindlichkeit globaler Ökosysteme zu schaffen.

Relevanz erhält die Studie durch ein bemerkenswertes demografisches Paradoxon. Obwohl die Gesamtzahl der Menschen weltweit weiterhin zunimmt, verlangsamt sich das Wachstumstempo seit Jahren deutlich. In zahlreichen europäischen Staaten und anderen Industrienationen würden die Bevölkerungszahlen ohne Zuwanderung aufgrund dauerhaft niedriger Geburtenraten teils erheblich zurückgehen. In Deutschland wird diese Entwicklung unter anderem vom Statistischen Bundesamt im Rahmen koordinierter Bevölkerungsvorausberechnungen analysiert.

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