Geier frisst Storchen-Nachwuchs in Niedersachsen
Geier frisst Storchenküken in Sehnde

Sehnde (Niedersachsen) – Ein dramatischer Angriff auf ein Storchennest hat in Klein Lobke, einem Ortsteil von Sehnde, für Bestürzung gesorgt. Ein Gänsegeier überfiel das Nest und fraß die frisch geschlüpften Jungstörche. „Die beiden großen Störche haben versucht, es zu verhindern, hatten aber keine Chance“, berichtet Sabine Kleinert, auf deren Bauernhof das Nest steht. „Wir waren todunglücklich.“

Ungewöhnliches Verhalten des Gänsegeiers

Für Experten ist der Vorfall höchst ungewöhnlich. Denn Gänsegeier gelten eigentlich als Aasfresser. „Diese Attacke ist absolut außergewöhnlich“, sagt Nabu-Sprecher Helge May. Seine Erklärung: „Dieser Geier hatte wohl großen Hunger.“ Der riesige Vogel vertrieb die Storcheneltern aus dem Nest und machte sich über deren Nachwuchs her.

Geier war 48 Stunden vor Ort

Fast zwei Tage lang hielt sich der riesige Vogel in Klein Lobke auf. Sein Besuch sprach sich schnell herum. Vogelkundler und Naturfotografen reisten an, um den seltenen Gast zu beobachten. „Wann sieht man hier schon mal einen Gänsegeier? Das war eine Attraktion!“, erzählt Kleinert. Doch während die Besucher auf spektakuläre Aufnahmen hofften, blieb auf dem Hof die Trauer über den Verlust der Jungstörche. Spekulationen, das Nest sei bereits verlassen gewesen, weist Kleinert entschieden zurück. „Die Weißstörche haben ihren Nachwuchs bis zuletzt versorgt. Und dann kam der Geier.“

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Immer mehr Geier kreisen über Deutschland

Der Vorfall ereignet sich zu einer Zeit, in der immer häufiger Gänsegeier über Deutschland gesichtet werden. Nach Angaben des Naturschutzbundes wurden die großen Greifvögel zuletzt unter anderem in Bayern, Hessen, Baden-Württemberg und Niedersachsen beobachtet. Vermutlich stammen sie aus Spanien oder Frankreich und sind hier lediglich auf Nahrungssuche unterwegs. Mit einer Flügelspannweite von bis zu 2,60 Metern gehören Gänsegeier zu den größten Greifvögeln Europas. Täglich legen sie mehrere Hundert Kilometer zurück.

Hoffnung auf neue Storchen-Babys

Immerhin gibt es für die Storchenfreunde in Klein Lobke einen kleinen Lichtblick: Kaum war der Geier verschwunden, kehrten die beiden Weißstörche auf ihren Horst zurück. „Wir freuen uns mega. Die sitzen da oben wieder, als wäre nichts gewesen“, sagt Kleinert. Jetzt hofft sie auf neues Storchen-Glück im kommenden Jahr – und darauf, dass der gefräßige Besucher nicht noch einmal in Klein Lobke auftaucht.

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