Brandenburg: Streit um Wolfsjagd-Regeln nach Bundesgesetz-Änderung
Brandenburg ringt um Regeln für die Wolfsjagd ab Juli

Ab dem 1. Juli 2025 ist die Jagd auf Wölfe in Deutschland grundsätzlich erlaubt – eine historische Wende nach jahrelangen Kontroversen. Die Aufnahme des Wolfs in das Bundesjagdgesetz macht den Weg frei, doch in Brandenburg fehlen noch die konkreten Regeln. Das Land mit den meisten Wolfsrudeln Deutschlands arbeitet an einem Managementplan, der jedoch frühestens im vierten Quartal 2026 in Kraft treten soll, wie der Landesjagdverband mitteilte.

Agrarministerium hält sich bedeckt

Das brandenburgische Agrarministerium unter Ministerin Hanka Mittelstädt (SPD) arbeitet derzeit an dem Konzept. Auf Anfrage erklärte das Ministerium: „Die möglichen Ausgestaltungen der verschiedenen Managementmaßnahmen und notwendige Regularien dafür werden derzeit diskutiert und im Managementplan adressiert.“ Ein konkreter Zeitplan wird nicht genannt. Der Landesjagdverband teilte mit: „Nach derzeitigem Stand ist vorgesehen, dass der Wolfsmanagementplan im vierten Quartal 2026 in Kraft tritt.“

Abschussquote abgelehnt – Regionen im Gespräch

Eine feste Abschussquote, wie sie der Landesjagdverband wiederholt forderte, lehnt Ministerin Mittelstädt ab. Stattdessen zeichnet sich ab, dass Regionen festgelegt werden, in denen der Wolf gejagt werden darf – insbesondere dort, wo es vermehrt zu Rissen von Nutztieren kommt. „Das Meinungsbild habe eher zur Schaffung von Gebieten tendiert“, sagte Mittelstädt im Herbst 2025. Grundlage für den Umfang der Bejagung ist der „günstige Erhaltungszustand“ der Art laut Bundesjagdgesetz.

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Andere Bundesländer gehen voran

Niedersachsen hat bereits eine Obergrenze festgelegt: Maximal 27 ausgewachsene Wölfe dürfen im Jagdjahr 2026/27 entnommen werden. In sogenannten Interventionsgebieten kann die Jagd auf ein ganzes Rudel eröffnet werden, wenn es binnen eines Jahres trotz Herdenschutzes dreimal zu Nutztierrissen durch ansässige Wölfe kommt. Hessen erlaubt die Entnahme von bis zu 40 Prozent der Jungtiere – bei sehr wenigen Rudeln. Die meisten Wölfe leben in einem Gürtel von Niedersachsen über Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg bis nach Sachsen.

Weitere Beratungen und Streit mit Naturschützern

In Brandenburg stehen noch zahlreiche Beratungen an. Das Ministerium stimmt sich mit dem Bund und Nachbarländern ab, das Landesamt für Umwelt, der Landesjagdbeirat und Verbände sind involviert. Streit ist programmiert, weil Naturschutzverbände die Bejagung des Wolfs ablehnen. Der Landesjagdverband erwartet, dass der erste Schwerpunkt auf der gezielten Entnahme von Schaden stiftenden Wölfen liegt – also Tieren, die Nutztiere reißen. „Sollte dies nicht der Fall sein, muss der Managementplan entsprechend angepasst werden, um auch weitergehende Eingriffe in den Wolfsbestand zu ermöglichen und damit auch eine Reduzierung“, so der Verband. Wichtig sei, dass der Plan gerichtsfest sei und Klagen standhalte. Die frühere Forderung nach einer festen Obergrenze für die Wolfszahl wiederholte der Verband nicht mehr.

Ausblick

Bis der Managementplan in Kraft tritt, bleibt die rechtliche Lage unklar. Ab Juli 2025 ist die Jagd zwar möglich, aber nur auf Basis eines Landesplans. Brandenburgs Regierung steht unter Druck, eine Lösung zu finden, die sowohl die Weidetierhaltung schützt als auch den Erhalt des Wolfs sichert. Der Streit zwischen Landwirten, Jägern und Naturschützern dürfte noch Monate andauern.

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