Die schwarz-rote Koalition plant eine umfassende Reform des Elterngeldes. Wie aus Regierungskreisen verlautet, soll die Bezugsdauer von derzeit maximal 14 Monaten auf zwölf Monate verkürzt werden. Familienministerin Karin Prien (CDU) bestätigte die Pläne am Dienstag in Berlin. „Wir müssen sparen, aber wir wollen Familien nicht allein lassen“, sagte Prien. Die Einsparungen seien aufgrund der angespannten Haushaltslage unvermeidbar.
Weniger Monate, aber mehr Flexibilität
Die Kürzung der Bezugsdauer ist der Kern der Reform. Statt bisher 14 Monaten können Eltern künftig nur noch zwölf Monate Elterngeld beziehen. Allerdings soll es mehr Flexibilität bei der Aufteilung zwischen den Partnern geben. Bislang müssen zwei Monate für den anderen Partner reserviert werden – diese Regelung bleibt bestehen. Neu ist, dass Eltern die Monate auch in Teilzeit nutzen können, ohne dass die Gesamtbezugsdauer sinkt.
Verbesserungen für Alleinerziehende
Ein wichtiger Punkt der Reform sind die Verbesserungen für Alleinerziehende. Sie sollen künftig Anspruch auf einen Bonus von zwei zusätzlichen Monaten haben, wenn sie das Elterngeld allein beantragen. „Damit wollen wir die besondere Belastung von Müttern und Vätern anerkennen, die ihre Kinder ohne Partner erziehen“, erklärte Prien. Zudem wird der Freibetrag für Hinzuverdienst erhöht: Statt 300 Euro dürfen Alleinerziehende künftig 400 Euro monatlich hinzuverdienen, ohne dass das Elterngeld gekürzt wird.
Mehr Geld für Geringverdiener
Die Reform sieht auch eine Anhebung des Mindestelterngeldes vor. Bislang erhalten Geringverdiener mindestens 300 Euro pro Monat. Dieser Betrag soll auf 350 Euro steigen. Gleichzeitig wird die Einkommensgrenze für den Bezug von Elterngeld gesenkt. Wer als Paar mehr als 200.000 Euro zu versteuerndes Einkommen hat, soll künftig kein Elterngeld mehr erhalten. Bisher lag die Grenze bei 250.000 Euro. „Das betrifft nur eine sehr kleine Gruppe von Spitzenverdienern“, betonte Prien.
Kritik von Opposition und Verbänden
Die Reform stößt auf Kritik. Die familienpolitische Sprecherin der Grünen, Maria Klein-Schmeink, nannte die Kürzungen „einen herben Schlag für junge Familien“. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) forderte, die Bezugsdauer nicht zu verkürzen, sondern die Finanzierung durch höhere Beiträge zu sichern. Der Familienbund der Katholiken warnte vor einer „kalten Kürzung“ durch die Inflation. Prien wies die Kritik zurück: „Wir müssen Prioritäten setzen. Die Reform ist ausgewogen und sozial gerecht.“
Was bedeutet das für Familien?
Für die meisten Familien bedeutet die Reform eine Verkürzung der Bezugsdauer um zwei Monate. Wer das Elterngeld in voller Höhe beziehen möchte, muss sich nun früher um eine Rückkehr in den Beruf oder um alternative Betreuungslösungen kümmern. Allerdings bietet die Reform auch Chancen: Die höhere Flexibilität bei der Teilzeitnutzung und der Bonus für Alleinerziehende können die Belastung abfedern. Die genauen gesetzlichen Regelungen sollen im Sommer 2025 verabschiedet werden und voraussichtlich ab 2026 gelten.



