Prozessauftakt in Berlin: Clan-Mitglied versuchte Bruder zu befreien
Am Dienstag begann vor dem Kriminalgericht Moabit der Prozess gegen Abdallah R. (23), ein Mitglied einer bekannten Berliner Großfamilie. Ihm wird vorgeworfen, im Dezember 2023 versucht zu haben, seinen inhaftierten Bruder Asies R. aus dem Maßregelvollzug in Buch zu befreien. Der Ausbruchsversuch war spektakulär, scheiterte jedoch am schnellen Eintreffen der Polizei.
Der geplante Ausbruch
In der Nacht des 20. Dezember 2023 versuchte ein Kommando von mindestens vier Männern, Asies R. zu befreien. Mit Winkelschneidern durchtrennten sie zwei Zäune, hoben Türen aus den Angeln und bearbeiteten mit einem Trennschleifer die Gitterstäbe seines Zimmers. Doch die Polizei traf früher ein als erwartet, sodass die Täter unverrichteter Dinge fliehen mussten. Asies R. soll anschließend gesagt haben: „Dumm gelaufen. Diesmal habt ihr gewonnen. Aber neun von zehn Mal gewinnen wir.“
Die Rolle von Asies R.
Asies R. (28) gilt als Drahtzieher nicht nur dieses Ausbruchsversuchs, sondern auch anderer Straftaten. Er ist das älteste von 14 Geschwistern einer arabischstämmigen Großfamilie, die der organisierten Kriminalität zugerechnet wird. Bereits im Sommer 2024 wurde er zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt, weil er aus dem Gefängnis einen Drogenschmugglerring leitete. Zudem koordinierte er Brandanschläge auf Fahrzeuge von JVA-Mitarbeitern, was ihm eine weitere Haftstrafe von knapp drei Jahren einbrachte.
Am Dienstag saß Asies R. feixend im Publikum, verließ den Saal jedoch, als die Richterin ihn als Zeugen laden wollte. Seine Begleiter fielen durch laute Ausrufe im Gerichtssaal auf.
Der Angeklagte Abdallah R.
Abdallah R. schwieg zu den Vorwürfen. DNA-Spuren sollen ihn als einen der Täter belasten. Er hatte bereits auf Befehl seines Bruders Autos angezündet und dafür eine Haftstrafe von zweieinhalb Jahren erhalten, die jedoch noch nicht rechtskräftig ist.
Ein manipuliertes Schloss
Wie zwei Pfleger aussagten, war das Schloss zu Asies R.s Zimmer manipuliert worden. Ein abgebrochener Schlüssel verhinderte das Öffnen von außen mit dem Generalschlüssel. Dies sollte offenbar Wachpersonal und Pfleger aufhalten, während R. durch das aufgeschweißte Fenster hätte fliehen können.
Polizei zufällig schnell vor Ort
Der Polizeibeamte Roman S. sagte als Zeuge aus, dass er und seine Kollegen nur zufällig in der Nähe waren, als der Alarm ausgelöst wurde. Normalerweise wäre die Polizei später eingetroffen. Asies R. zeigte sich verwundert und gab an, viel „Prison Break“ gesehen zu haben.
Kritik an der Entwicklung der Clankriminalität
Stephan Weh, Landeschef der Berliner Gewerkschaft der Polizei GdP, kritisierte: „Clankriminalität ist in unserer Stadt über Jahrzehnte gewachsen, weil den Akteuren aus falsch verstandener Toleranz keine rechtsstaatlichen Grenzen aufgezeigt wurden.“ Er hoffe, dass das Gericht ein klares Zeichen setze. Der Prozess wird fortgesetzt.



