Integration beginnt nicht im Kindergarten
Der Kinderarzt Adnan Akbaba ist der letzte seiner Zunft in einem Hamburger Problemviertel. Täglich ist er mit den Schattenseiten prekärer Lebensverhältnisse und gescheiterter Integration konfrontiert. Besonders alarmierend: Viele Kinder sind noch nicht im Kindergarten angemeldet, dafür aber bereits in Koranschulen. Dies offenbart ein tiefgreifendes Problem der gesellschaftlichen Teilhabe.
Frühkindliche Bildung als Schlüssel
Akbaba betont die Bedeutung frühkindlicher Bildung. „Kinder, die nicht in den Kindergarten gehen, verpassen nicht nur sprachliche, sondern auch soziale Entwicklungsmöglichkeiten“, erklärt er. Stattdessen werden sie oft in religiöse Einrichtungen geschickt, was die Integration zusätzlich erschwert. Der Arzt sieht darin eine wachsende Kluft zwischen den Kulturen.
Verwahrlosung und ihre Folgen
In seiner Praxis begegnen ihm immer wieder Kinder mit Anzeichen von Verwahrlosung. Um zu verhindern, dass diese Kinder aus dem System fallen, verschreibt Akbaba gezielt Physiotherapie. „So bleiben sie im System und wir können sie weiter begleiten“, sagt er. Die Therapie dient nicht nur der körperlichen Gesundheit, sondern auch als Ankerpunkt für weitere Unterstützung.
Ein Appell an die Politik
Akbaba appelliert an die Politik, mehr in frühkindliche Bildung und Integrationsmaßnahmen zu investieren. „Wir dürfen diese Kinder nicht aufgeben“, mahnt er. Der Kinderarzt fordert verpflichtende Sprachkurse und eine engere Zusammenarbeit zwischen Schulen, Ärzten und Sozialarbeitern. Nur so könne der Teufelskreis aus Armut und fehlender Integration durchbrochen werden.
Die Rolle der Eltern
Auch die Eltern sieht Akbaba in der Pflicht. Viele Familien aus Migrantenmilieus seien sich der Bedeutung von Kindergärten nicht bewusst. Hier müsse Aufklärungsarbeit geleistet werden. „Es geht nicht darum, kulturelle Identität zu untergraben, sondern darum, unseren Kindern die besten Chancen zu geben“, so der Arzt.
Die Situation im Hamburger Problemviertel ist ein Mikrokosmos für gesamtdeutsche Herausforderungen. Akbaba bleibt kämpferisch: „Jedes Kind, das wir erreichen, ist ein Erfolg.“ Doch ohne strukturelle Änderungen drohe eine ganze Generation verloren zu gehen.



