Am Berliner Landgericht hat ein Prozess gegen vier Männer im Alter von 21 bis 26 Jahren begonnen. Ihnen werden unter anderem gefährliche Körperverletzung, versuchte schwere räuberische Erpressung und Bedrohung vorgeworfen. Die Angeklagten sollen in unterschiedlichem Maße an den Taten beteiligt gewesen sein.
Schüsse auf einen 18-Jährigen
Im Juli 2025 sollen zwei der Angeklagten, 21 und 25 Jahre alt, einen 18-Jährigen nach einem Streit in einem Café in Berlin-Gesundbrunnen aufgesucht haben. Der 21-Jährige habe laut Anklage eine Waffe gezogen und dem Opfer zweimal ins Bein geschossen. Der junge Mann erlitt lebensgefährliche Verletzungen und musste notoperiert werden.
Erpressung eines Restaurantbesitzers
Allen vier Angeklagten wird vorgeworfen, einen 47-jährigen Restaurantbesitzer in Neukölln unter Druck gesetzt zu haben. Sie forderten Geld für eine nicht näher bezeichnete „Unterstützung“ – Summen zwischen 3.000 und 50.000 Euro. Als der Mann sich weigerte, drohten sie mit Schüssen.
Am 29. September 2025 soll der 21-jährige Angeklagte tatsächlich durch ein Fenster des Restaurants geschossen haben. Der Schuss traf einen Deckenbalken, während sich zahlreiche Gäste im Lokal aufhielten. Später drohte ein 26-Jähriger dem Geschäftsmann telefonisch, er werde dessen Familie umbringen, falls die Forderung nicht erfüllt werde. Zu einer Zahlung kam es nicht.
Hintergrund: Zunahme der Schusswaffenkriminalität
Die Berliner Polizei hatte im November 2025 die Sondereinheit „Ferrum“ (lateinisch für „Eisen“) eingerichtet, um der steigenden Schusswaffenkriminalität zu begegnen. Die Staatsanwaltschaft folgte mit der Ermittlungsgruppe „Telum“ (lateinisch für „Angriffswaffe“). Im Rahmen dieser Ermittlungen entstand die Anklage gegen die vier Männer.
Die Angeklagten befinden sich in Untersuchungshaft – der erste seit Mitte Oktober 2025, der letzte seit Anfang März 2026. Die Ermittler vermuten Verbindungen zu einer international agierenden türkischen Gruppierung der organisierten Kriminalität. Für den Prozess sind bislang 16 weitere Verhandlungstage bis zum 8. Oktober 2026 angesetzt.



