Remmo-Clan vor Gericht: Befreiungsversuch aus Maßregelvollzug gescheitert
Mit einer Flex und weiteren Werkzeugen rückten mehrere Mitglieder des deutsch-arabischen Remmo-Clans mitten in der Nacht an, um einen Angehörigen aus dem Berliner Maßregelvollzug in Berlin-Buch zu befreien. Doch der Plan scheiterte. Nun muss sich der fünf Jahre jüngere Bruder des 28-jährigen Inhaftierten vor dem Amtsgericht Tiergarten wegen versuchter Gefangenenbefreiung und Sachbeschädigung verantworten.
Nächtlicher Einsatz mit Winkelschleifer
Am 20. Dezember 2023 sollen sich mindestens vier vermummte Männer auf den Weg gemacht haben, um den 28-Jährigen aus dem Krankenhaus des Maßregelvollzugs zu befreien. Dort war er nach einer Verurteilung wegen Drogenhandels untergebracht. Die Eindringlinge setzten zunächst einen Winkelschleifer ein, durchtrennten den äußeren Zaun und anschließend einen zweiten Zaun. Dann hebelten sie eine Tür auf und begaben sich gezielt zu dem Zimmer, in dem der Remmo-Mann untergebracht war. Mit einem Trennschleifer bearbeiteten sie das Gitter vor dem Fenster.
Doch das Sicherheitspersonal bemerkte die Einbrecher und löste Alarm aus. Daraufhin flüchteten die Täter. Die Polizei war schnell vor Ort. Ein Beamter entdeckte ein Fahrzeug mit laufendem Motor und sah ein Gesicht mit Sturmhaube. Der Fahrer gab Gas und entkam knapp einer Kollision mit dem Polizeifahrzeug. Kurz darauf raste ein zweites Auto aus einer Einfahrt – eine Verfolgung war zwecklos.
Werkzeuge und Spuren am Tatort
Vor dem vergitterten Fenster fanden die Beamten Werkzeuge, eine Stirnlampe und einen zerbrochenen Hocker. Die Tür zum Zimmer des 28-Jährigen ließ sich nicht von außen öffnen, da ein abgebrochener Schlüssel im Schloss steckte – offenbar eine Manipulation des Inhaftierten zur Vorbereitung seiner Flucht. Als der 28-Jährige schließlich von innen öffnete, hob er die Hände. Aus dem Zimmer drang metallischer Rauchgeruch. „Was macht ihr so spät überhaupt noch hier? Eigentlich wäre ich weg gewesen“, meinte er später zu einem Polizeibeamten und gab an, in letzter Zeit viel die US-Gefängnisserie „Prison Break“ gesehen zu haben.
In seinem Patientenzimmer wurde ein nicht erlaubtes Handy sowie rund 300 Euro gefunden. Ein zweites Telefon entdeckten die Beamten in einer Socke unter seinem Fuß. Daraufhin kam der 28-Jährige zunächst in eine Isolierzelle.
DNA-Spur führt zum Bruder
Der jüngere Bruder geriet durch eine DNA-Spur an einem der Werkzeuge ins Visier der Ermittler. Vor Gericht zeigte er sich unbekümmert, grinste breit in Richtung mehrerer dunkel gekleideter Männer im Publikum. Sein Verteidiger erklärte, der Angeklagte schweige zu den Vorwürfen.
Bereits im März dieses Jahres standen die beiden Remmo-Brüder in einem anderen Prozess vor Gericht: Wegen Brandanschlägen auf Fahrzeuge vor der JVA Heidering wurde der 28-Jährige zu drei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt, der 23-Jährige zu zweieinhalb Jahren wegen Brandstiftung. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Der aktuelle Prozess wird am 16. Juni fortgesetzt.



