Die Staatsanwaltschaft Hamburg hat nach einem schweren Vorfall im Jugendgefängnis Hahnöfersand Ermittlungen wegen des Verdachts der Gefangenenmeuterei eingeleitet. Wie ein Sprecher der Justizbehörde mitteilte, richtet sich das Verfahren gegen einen 19-Jährigen sowie zwei 21-Jährige. Bei dem Angriff am Pfingstsamstag wurden vier Bedienstete verletzt, zwei von ihnen mussten stationär im Krankenhaus behandelt werden.
Hintergründe der Tat
Nach bisherigen Erkenntnissen aus dem Justizvollzug sollen die jungen Männer zunächst einen Bediensteten in einem Materialraum attackiert haben. Sie nahmen ihm den Mehrzweckeinsatzgürtel mitsamt Anstaltsschlüssel, Handsprechfunkgerät, Handfesseln und Dienstmesser ab und fesselten ihn anschließend. Mit dem erbeuteten Schlüssel verschaffte sich einer der Gefangenen Zugang zu einer anderen Station und griff dort einen weiteren Bediensteten mit dem Dienstmesser an. Dieser blieb unverletzt und konnte Alarm auslösen. Weitere Bedienstete eilten zur Hilfe und entschärften die Situation. Das Dienstmesser, das von Vollzugsbeamten zur Durchtrennung von Strangulationsmitteln bei Suizidversuchen getragen wird, wurde sichergestellt, und der Gefangene wurde isoliert.
Bewaffnung und weitere Angriffe
In der Zwischenzeit bewaffneten sich die beiden anderen Gefangenen mit abgebrochenen Tischbeinen und verletzten einen weiteren Bediensteten. Auch dieses dynamische Geschehen konnten hinzukommende Kollegen deeskalieren. Die Gefangenen ließen sich schließlich mit auf dem Rücken gefesselten Händen überwältigen. Bei Eintreffen der Polizei war die Lage bereits unter Kontrolle. Alle entwendeten Gegenstände wurden gesichert.
Motiv und Hintergründe
Das Motiv für den Angriff ist noch unklar und Gegenstand der laufenden Ermittlungen. Zunächst wurde ein Ausbruchsversuch als unwahrscheinlich eingestuft. Hamburger Medien berichteten über einen möglichen Versuch, einen Mitgefangenen aus Rache zu lynchen. Alle beteiligten Häftlinge wurden in andere Hafteinrichtungen verlegt. Der Sprecher betonte, dass es in der Vergangenheit in Hahnöfersand keine vergleichbaren Fälle gegeben habe, bei denen Gefangene gemeinschaftlich derart gewalttätig gegen Bedienstete vorgingen. Die Personalstärke am fraglichen Tag sei ausreichend gewesen. Die Behörde prüft mögliche Konsequenzen aus dem Vorfall.
Die JVA Hahnöfersand
Die Justizvollzugsanstalt liegt auf der gleichnamigen Elbinsel in der niedersächsischen Gemeinde Jork, steht jedoch unter Hamburger Leitung. Sie verfügt über insgesamt 176 Haftplätze und 20 Arrestplätze. Ein bekannter Insasse ist der mutmaßliche Pädokriminelle, der unter dem Pseudonym White Tiger Kinder im Internet zu sexuellen Handlungen und Selbstverletzungen bis zum Suizid getrieben haben soll.



