Mit einer Krücke humpelt Matthias K. (39) in den Gerichtssaal des Landgerichts Bochum. Ihm wird vorgeworfen, seine Ex-Lebensgefährtin Anita S. (†35) getötet, die Leiche zerstückelt und die Überreste in einem Wald abgelegt zu haben. Der Angeklagte beteuert seine Unschuld und gab bei der Polizei ein kurioses Alibi an: „Ich habe Pokémons gejagt.“ Doch ausgerechnet sein Handy, das den Verdacht von ihm ablenken sollte, könnte ihm nun zum Verhängnis werden.
Der Fall: Anita S. verschwand 2019 – Leichenteile erst 2023 gefunden
Anita S. verschwand im Dezember 2019. Teile ihrer Leiche wurden jedoch erst im Februar 2023 von einer Spaziergängerin mit ihrem Hund in einem Waldstück bei Witten (Nordrhein-Westfalen) entdeckt. Der skelettierte Schädel wies laut Ermittlern Spuren scharfer Gewalteinwirkung auf. Die Anklage lautet Totschlag. Nach Überzeugung von Oberstaatsanwalt Andreas Bachmann soll Matthias K. die 35-Jährige nach einem Streit mit einem etwa fünf Millimeter breiten metallenen Gegenstand in den Hals gestochen oder auf andere Weise getötet haben. Anschließend soll er die Leiche zerstückelt und die Überreste rund 400 Meter von seiner damaligen Wohnanschrift entfernt abgelegt haben. Den Kopf des Opfers wickelte er zudem mit grünem Klebeband um. Der Fall galt jahrelang als ungelöst.
Frühere Festnahme und neue Beweise
Bereits 2020 saß Matthias K. elf Tage in Untersuchungshaft, wurde jedoch wieder freigelassen, weil die Beweise damals nicht ausreichten. Erst nach dem Fund des Schädels im Februar 2023 nahmen die Ermittlungen neue Fahrt auf. Im Februar 2026 wurde der Angeklagte erneut festgenommen. Polizisten suchten damals mit Sonden und Spaten in dem Waldstück nach weiteren sterblichen Überresten von Anita S.
Pokémon-Alibi vor Gericht: Handy entlarvt Angeklagten
Am ersten Prozesstag berichtete der Leiter der Mordkommission im Zeugenstand über die Vernehmung von Matthias K. nach der Festnahme: „Er sagte in der Vernehmung, er war am Stausee spazieren und hat Pokémons gejagt.“ Die Ermittler überprüften die Standortdaten der Pokémon-App – und kamen zu einem anderen Ergebnis. „Die Standortdaten der App konnten das widerlegen“, erklärte der Mordermittler vor Gericht. Matthias K. schwieg zu den Vorwürfen. Sein Verteidiger Egbert Schenkel erklärte auf dem Gerichtsflur gegenüber den Medien: „Er hat von Anfang an gesagt: Er hat mit dem Verschwinden von Anita nichts zu tun.“ Der Prozess wird fortgesetzt.



