Der kanadisch-österreichische Milliardär Frank Stronach (93) ist von einem Gericht in Ontario wegen sexueller Nötigung und Belästigung verurteilt worden. Der Mitgründer des Automobilzulieferers Magna International hatte eine kleine Werkzeugfirma zu einem weltweit führenden Hersteller für Autoteile aufgebaut.
Vorwürfe reichen bis 1977 zurück
Insgesamt war Stronach in zwölf Punkten angeklagt, die Vorfälle zwischen 1977 und den frühen 2000er Jahren umfassen. Im Laufe des Prozesses wurden sieben Anklagepunkte fallengelassen, in drei Fällen erfolgte ein Freispruch. Letztlich blieben zwei Anklagepunkte wegen sexueller Nötigung und Belästigung, die zur Verurteilung führten. Das Strafmaß soll am 17. September verkündet werden.
Frauen in Restaurant kennengelernt
Mehrere Frauen hatten laut kanadischen Medien berichtet, Stronach in einem Restaurant in Kanada kennengelernt zu haben. In seiner Wohnung sei es dann zu sexuellen Übergriffen gekommen. Andere Anklägerinnen sprachen von vollendeten oder versuchten Vergewaltigungen. Mögliche weitere Übergriffe konnten Jahrzehnte später nicht mehr nachgewiesen werden. Der Prozess behandelte die Fälle von sieben Anklägerinnen, insgesamt hatten 13 Frauen Stronach sexueller Übergriffe beschuldigt. Ein zweiter Prozess zu den Vorwürfen der sechs weiteren Frauen ist für Mai 2027 angesetzt und auf vier Wochen angelegt.
Geplatzte Opel-Übernahme und gescheiterte Partei
Stronach war in den 1950er Jahren von Österreich nach Kanada ausgewandert und gründete dort den Autozulieferer Magna. 2009 wollte der Konzern den deutschen Autobauer Opel von General Motors übernehmen, doch der Deal platzte. 2011 verließ Stronach den Chefsessel bei Magna und kehrte nach Österreich zurück, wo er die politische Partei Team Stronach gründete. Mit populistischen und euroskeptischen Forderungen erreichte die Partei bei der Nationalratswahl 2013 5,7 Prozent, löste sich aber 2017 nach internen Streitigkeiten auf.



