Tourette-Syndrom: Was steckt hinter den Tics?
Die Funke Mediengruppe hat in ihrer Serie „Die Hirn-Docs“ einen Top-Neurologen zu Wort kommen lassen, der über das Tourette-Syndrom aufklärt. Viele Menschen verbinden mit Tourette vor allem laute und derbe Beschimpfungen, doch das ist ein Missverständnis. Prof. Alexander Münchau vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) in Lübeck erklärt, wie die Krankheit wirklich aussieht.
Was ist Tourette überhaupt?
Das Tourette-Syndrom ist eine neurologische Erkrankung, die meist im Kindesalter beginnt. Sie äußert sich durch sogenannte Tics – plötzliche, kurze Bewegungen oder Laute, die nur schwer kontrollierbar sind. Typische Beispiele sind vermehrtes Blinzeln, Grimassen schneiden, Räuspern oder andere Geräusche. Die Symptome können von Patient zu Patient stark variieren und sich im Laufe der Zeit verändern.
Fluchen ist die Ausnahme
Entgegen der weit verbreiteten Annahme kommt unkontrolliertes Fluchen (Koprolalie) nur bei einem kleinen Teil der Betroffenen vor. „Das, was viele für typisch Tourette halten – Schimpfen und unflätiges Verhalten –, hat mit dem, was wir im klinischen Alltag sehen, meist wenig zu tun“, betont Prof. Münchau. Die meisten Tics sind harmloser Natur, können aber dennoch belastend sein.
Wie entstehen Tics?
Die genauen Ursachen sind noch nicht vollständig erforscht. Man geht von einer genetischen Veranlagung aus, die in Kombination mit Umwelteinflüssen zu einer Fehlfunktion in bestimmten Hirnregionen führt. Diese Regionen sind für die Bewegungssteuerung und Impulskontrolle zuständig. Tics treten oft in Stresssituationen verstärkt auf und können bei Konzentration vorübergehend unterdrückt werden.
Welche Therapien helfen?
Die Behandlung von Tourette ist individuell. Nicht jeder Betroffene braucht eine Therapie. Wenn die Tics den Alltag stark beeinträchtigen, kommen Verhaltenstherapie, Medikamente oder in schweren Fällen tiefe Hirnstimulation in Frage. Prof. Münchau betont, dass Aufklärung und Verständnis im Umfeld besonders wichtig sind: „Betroffene brauchen vor allem Akzeptanz und Unterstützung.“
Die Serie „Die Hirn-Docs“ der FUNKE Tageszeitungen wird von Experten der Deutschen Hirnstiftung begleitet und informiert über neueste Erkenntnisse in der Neurologie. Weitere Themen sind unter anderem Demenzrisiko und Alzheimer.



