Forschung: Kann ein Speicheltest Schlafmangel nachweisen?
Schlafmangel hinterlässt offenbar messbare Spuren im Speichel. Forscher der Universität Zürich haben Hinweise gefunden, dass starker Schlafmangel objektiv nachweisbar wird. Eine schlaflose Nacht verändert den Speichel – das zeigt eine aktuelle Studie.
Für die Untersuchung wurden 20 gesunde Männer im Alter zwischen 20 und 33 Jahren getestet. Die Wissenschaftler analysierten Speichelproben nach drei verschiedenen Situationen: einer durchwachten Nacht, vier Nächten mit jeweils zwei Stunden weniger Schlaf als üblich sowie nach rund acht Stunden Schlaf.
Spuren nach einer schlaflosen Nacht
Die Forscher untersuchten sogenannte Metaboliten, das sind Stoffwechselprodukte, die anzeigen, was im Körper passiert. Nach einer kompletten schlaflosen Nacht unterschieden sich die Speichelproben deutlich von den Proben, die nach ausreichendem Schlaf entnommen wurden. Es wurden rund ein Dutzend molekulare Veränderungen gefunden. Bei moderatem Schlafmangel über mehrere Nächte hinweg konnten jedoch keine statistisch signifikanten Unterschiede festgestellt werden. Dies deutet darauf hin, dass vor allem starker Schlafentzug einen biologischen „Fingerabdruck“ im Speichel hinterlässt.
Trefferquote von 94 Prozent
Auf Basis dieser Veränderungen entwickelten die Wissenschaftler ein Modell des maschinellen Lernens. Es sollte erkennen, ob eine Person akut stark übermüdet war oder nicht. Das Modell identifizierte entsprechende Speichelproben mit einer Trefferquote von 94 Prozent. Nach Einschätzung der Autoren könnten individuelle Unterschiede im Stoffwechsel dafür verantwortlich sein. Zudem fiel auf: Der Test funktionierte morgens besser als am Abend.
Noch kein Test für den Alltag
Die Ergebnisse zeigen, dass ein Speicheltest künftig helfen könnte, akuten Schlafmangel objektiv messbar zu machen. Denkbare Einsatzfelder sind etwa die Schlafmedizin oder die Forschung. Für Anwendungen im Alltag – etwa bei Polizeikontrollen, um Risiken für Sekundenschlaf zu ermitteln – ist es jedoch zu früh. Die Studie umfasste nur 20 junge Männer. Ob die Ergebnisse auch für Frauen, ältere Menschen oder Personen mit Erkrankungen gelten, ist offen. Unklar bleibt außerdem, ob sich chronischer Schlafmangel ebenfalls zuverlässig im Speichel nachweisen lässt.



