Im Interview mit Fachimmunologin Professor Prelog: Wenn Urlaub das Risiko für Gürtelrose erhöht. Viele Menschen kennen das Phänomen: Endlich Urlaub, doch statt Erholung stellen sich Müdigkeit, Erschöpfung oder sogar Krankheit ein. Die sogenannte „Leisure Sickness“ oder „Freizeitkrankheit“ beschreibt genau dieses Phänomen. Während Stressphasen werden Infekte im Körper oft unterdrückt, während das Immunsystem geschwächt wird. Sobald der Körper zur Ruhe kommt, können zuvor unterdrückte Infekte ausbrechen. Besonders tückisch: Auch ruhende Viren wie das Varizella-Zoster-Virus, das Gürtelrose auslöst, können reaktiviert werden. Zudem kann übermäßige Sonneneinstrahlung das Immunsystem zusätzlich belasten und das Risiko für Gürtelrose erhöhen.
Warum macht Erholung krank?
Frau Professor Prelog, Professorin für Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Würzburg und Fachimmunologin, erklärt: „Eine repräsentative Studie der Internationalen Hochschule (IU) hat gezeigt, dass fast 72 % der Arbeitnehmer schon einmal eine Leisure Sickness erlebt haben. Ursache ist ein Zusammenspiel von Stresshormonen, dem vegetativen Nervensystem und dem Immunsystem. Unter Dauerstress wird die Immunabwehr unterdrückt, Infektionen bleiben unbemerkt. Erst wenn die Stresshormone in der Ruhephase nachlassen, reagiert das Immunsystem stärker – Symptome wie Müdigkeit, Kopfschmerzen und Erkältungsanzeichen treten auf.“
Der Infekt beginnt oft schon vor dem Urlaub
„Viele Menschen werden nicht erst im Urlaub krank, sondern der Infekt beginnt bereits in der Stressphase. Die körperliche Abwehr wird durch Stresshormone unterdrückt, sodass Erreger sich leichter ausbreiten. Sobald der Körper zur Ruhe kommt, wird die Erkrankung spürbar – typisch für den sogenannten Rebound-Effekt mit Grippesymptomen wie Abgeschlagenheit, erhöhter Temperatur und Gliederschmerzen“, so Prelog.
Praxisbeispiele: Perfektionismus und Dauerstress
In der Praxis sieht die Immunologin häufig Menschen mit starkem Perfektionismus, hohem Leistungsdruck oder ungelösten psychischen Belastungen. „Gerade bei Dauerstress kommt es häufiger zur Reaktivierung von Viren wie dem Varizella-Zoster-Virus. Nach einer Windpocken-Infektion im Kindesalter verbleibt das Virus in Nervenzellen und wird vom Immunsystem kontrolliert. Sinkt die Abwehr durch Stress, kann es zu einer schmerzhaften Gürtelrose kommen, die im schlimmsten Fall den Urlaub abbricht.“
UV-Strahlung als zusätzlicher Risikofaktor
Auch übermäßige Sonneneinstrahlung kann das Risiko erhöhen. „Ein Sonnenbrand ist eine entzündliche Stressreaktion der Haut und belastet das Immunsystem massiv. Wissenschaftliche Berichte zeigen, dass zu viel Sonne die Immunabwehr schwächt und das Gürtelrose-Virus reaktivieren kann. Daher ist guter Sonnenschutz und Meidung der Mittagssonne wichtig“, rät Prelog.
Tipps zur Vorbeugung
Um die Freizeitkrankheit zu mildern, empfiehlt die Expertin einen fließenden Übergang von Arbeit zu Freizeit: Stress bewusst reduzieren, Puffertage vor dem Urlaub einplanen und aktive Erholung wie Spaziergänge oder moderaten Sport statt kompletter Passivität. „Feste Erholungspausen und Sport in der Arbeitswoche helfen, Stress gar nicht erst aufstauen zu lassen. Schlaf ist zentral für die Regeneration des Immunsystems.“
Impfung und Sonnenschutz
Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Gürtelrose-Impfung für alle ab 60 Jahren und für Risikopersonen ab 18 Jahren. „Durch richtigen Sonnenschutz und bewussten Umgang mit Stress kann man das Immunsystem entlasten und die Sommerzeit unbeschwerter genießen“, so Prelog abschließend.



