Neuer Wirkstoff verdoppelt Überlebenszeit bei Bauchspeicheldrüsenkrebs
Krebs-Durchbruch: Überlebenszeit verdoppelt

Neue Hoffnung bei Bauchspeicheldrüsenkrebs

Bauchspeicheldrüsenkrebs gehört zu den aggressivsten und schwer behandelbaren Krebserkrankungen. Eine aktuelle Studie gibt nun Grund zur Hoffnung: Der Wirkstoff Daraxonrasib kann die verbleibende Lebenszeit von schwer erkrankten Patienten im Vergleich zur herkömmlichen Chemotherapie verdoppeln. Die Ergebnisse wurden im renommierten Fachblatt New England Journal of Medicine veröffentlicht und von Experten als „Durchbruch“ bezeichnet.

Wirkungsweise von Daraxonrasib

Daraxonrasib greift gezielt an einer entscheidenden Schaltstelle im Tumor an – dem RAS-Protein. Dieses Protein fungiert wie ein Wachstumsschalter der Zelle. Bei gesunden Zellen wird er an- und wieder ausgeschaltet. Durch eine Genmutation bleibt der Schalter jedoch dauerhaft in der Position „an“, was zu ungehemmtem Zellwachstum führt. Bei mehr als 90 Prozent der Bauchspeicheldrüsentumoren ist dieser Schalter ständig aktiviert. Daraxonrasib setzt genau dort an und blockiert das fehlerhafte Signal.

Studienergebnisse: Überlebenszeit verdoppelt

An der klinischen Studie nahmen 500 Patienten teil, bei denen der Krebs bereits gestreut hatte und eine erste Chemotherapie gescheitert war. Sie erhielten nach dem Zufallsprinzip entweder Daraxonrasib oder eine Standard-Chemotherapie. Die Ergebnisse waren eindeutig: In der größten Patientengruppe stieg die mittlere Überlebenszeit von 6,6 auf 13,2 Monate – eine Verdopplung. Auch die Zeit, in der die Krankheit nicht weiter fortschritt, verlängerte sich von 3,5 auf 7,3 Monate.

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Nebenwirkungen und Verträglichkeit

Wie jedes Medikament zeigte auch Daraxonrasib Nebenwirkungen. Diese fielen jedoch seltener schwer aus als bei der Chemotherapie: Rund 62 Prozent der Patienten erlitten schwere Nebenwirkungen, verglichen mit 70 Prozent unter Chemotherapie. Besonders wichtig: Nur gut ein Prozent der Patienten brach die Therapie mit Daraxonrasib ab, während es unter der Chemotherapie elf Prozent waren. Zu den häufigsten Nebenwirkungen zählten Hautausschlag, Durchfall und Entzündungen der Mundschleimhaut. Lebensbedrohliche Nebenwirkungen traten nicht auf.

Expertenstimmen: Ein Paradigmenwechsel

Dieter Saur, Tumorforscher an der Technischen Universität München und am Deutschen Krebsforschungszentrum, bezeichnet die Entwicklung als eine der wichtigsten klinischen Fortschritte beim Bauchspeicheldrüsenkrebs seit vielen Jahren. Entscheidend sei, dass der Angriffspunkt nicht nur eine kleine Untergruppe betreffe, sondern die Mehrheit der Erkrankten. Dietrich Ruess, Leiter des Pankreaskarzinomzentrums am Universitätsklinikum Freiburg, spricht sogar von einem „revolutionären Durchbruch“. Beide Experten waren nicht an der Studie beteiligt.

Zulassung und Verfügbarkeit

Die Zulassung von Daraxonrasib gilt als sehr wahrscheinlich. In den USA ermöglicht die Arzneimittelbehörde FDA bereits eine Anwendung in bestimmten Fällen. Der Hersteller Revolution Medicines plant, weltweit Zulassungsanträge zu stellen. In Deutschland ist Daraxonrasib noch nicht verfügbar. Thomas Seufferlein, Klinikdirektor am Universitätsklinikum Ulm, betont, dass man hoffe, auch in Europa einen vorzeitigen Zugang zu schaffen, um die Wartezeit zu überbrücken.

Potenzial für andere Krebsarten

Der Erfolg von Daraxonrasib könnte auch die Behandlung anderer Krebsarten beeinflussen. Das defekte RAS-Protein treibt viele Tumoren an, darunter fast die Hälfte aller Dickdarmkrebserkrankungen sowie bestimmte Formen von Lungenkrebs. Tumorforscher Saur erklärt, dass Daraxonrasib potenziell auch für andere RAS-getriebene Tumorarten relevant sei. Allerdings lasse sich der Erfolg nicht eins zu eins übertragen, da jede Krebsart anders reagiere. Die nächste große Aufgabe sei daher, Kombinationstherapien zu entwickeln, die dem Krebs keine Ausweichmöglichkeit bieten.

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