Eine aktuelle Übersichtsarbeit der Universität Stettin in Polen legt nahe, dass Koffein den nächtlichen Schlaf erheblich beeinträchtigen kann – und das möglicherweise stärker als bislang angenommen. Wer abends noch Kaffee, Espresso oder Cola trinkt und dennoch problemlos einschläft, könnte trotzdem eine verminderte Schlafqualität erleben, ohne es zu merken.
Die Studie im Detail
Die Forscher untersuchten die elektrische Aktivität des Gehirns während der Nacht, basierend auf 32 kontrollierten Studien. Dabei wurde Koffein vor dem Schlafengehen, nach Schlafentzug oder über mehrere Tage hinweg verabreicht. Die Auswertung zeigt, dass Koffein die Hirnaktivität im Schlaf häufig stärker verändert, als klassische Schlafmessungen erkennen lassen. Besonders betroffen sind die tiefen, langsamen Wellen des Non-REM-Schlafs, die für die Erholung entscheidend sind.
Wirkmechanismus von Koffein
Koffein blockiert die Andockstellen für Adenosin im Gehirn. Adenosin sammelt sich im Laufe des Tages an und erhöht den Schlafdruck. Wird dieses Signal durch Koffein abgeschwächt, sinkt der Schlafdruck vorübergehend, während Wachheit und Aufmerksamkeit zunehmen. Der nicht an der Studie beteiligte Schlafmediziner Dr. Michael Feld erklärt, dass Adenosin eng mit Müdigkeit und Schlafregulation verbunden ist. Koffein kann die Tiefschlafarchitektur beeinflussen und zu einem leichteren Schlafprofil führen, bei dem das Gehirn nicht richtig regeneriert.
Einschränkungen der Studie
Die Studienautoren weisen auf mehrere Einschränkungen hin: Viele der ausgewerteten Studien waren klein mit nur acht bis 22 Teilnehmern, meist gesunde junge Männer. Frauen, ältere Menschen, Jugendliche und Personen mit Schlafstörungen oder hohem Koffeinkonsum waren unterrepräsentiert. Auch unterschieden sich die Studien stark in Koffeinmenge, Einnahmezeitpunkt und Messmethoden. Die Ergebnisse deuten auf einen Zusammenhang hin, erlauben aber keine pauschalen Aussagen für alle Bevölkerungsgruppen.
Fazit
Koffein kann den Schlaf tiefer beeinträchtigen als bisher angenommen, selbst wenn die Schlafdauer unverändert bleibt. Wer seine Schlafqualität verbessern möchte, sollte den Koffeinkonsum am Abend reduzieren. Weitere Forschung ist nötig, um die Auswirkungen auf verschiedene Bevölkerungsgruppen zu klären.



