Implantierbarer Defibrillator: Wie der „Schutzengel“ das Herz rettet
Implantierbarer Defibrillator: Der Schutzengel fürs Herz

Ein implantierbarer Defibrillator (ICD) hat dem dänischen Fußballstar Christian Eriksen erneut das Leben gerettet. Als er Anfang Juni 2026 im Länderspiel gegen die Ukraine zusammenbrach, löste das Gerät aus und schützte ihn vor einem erneuten Herzstillstand. Fünf Jahre nach seinem Kollaps bei der Europameisterschaft 2021 bestätigte Eriksen: Das Gerät habe genau das getan, wofür es entwickelt wurde.

Wann ist ein implantierbarer Defibrillator nötig?

Prof. Dr. med. Bernd Nowak, Facharzt für Kardiologie am Cardioangiologischen Centrum Bethanien in Frankfurt und Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Deutschen Herzstiftung, erklärt: „Das Gerät kommt für zwei Patientengruppen infrage: zur Primärprävention und zur Sekundärprävention des plötzlichen Herztodes.“ Bei der Primärprävention werde ein lebensbedrohliches Ereignis verhindert, bevor es eintritt – etwa bei Patienten mit stark eingeschränkter Herzfunktion nach einem Infarkt. Die Sekundärprävention betreffe Menschen, die bereits eine gefährliche Rhythmusstörung oder einen Herzstillstand überlebt haben.

So wird der Defibrillator eingesetzt

Der Defibrillator wird in einem kleinen Eingriff unterhalb des Schlüsselbeins, meist links, implantiert. Das Gerät ist 6 bis 8 Zentimeter lang, 6 bis 10 Millimeter dick und wird unter der Haut platziert. Über eine Vene werden Elektroden bis ins Herz geschoben. Nach wenigen Tagen können die meisten Patienten ihren Alltag wieder aufnehmen. Regelmäßige Kontrollen stellen die optimale Funktion sicher.

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Wie verändert sich der Alltag?

„Für die meisten Patienten verändert sich der Alltag deutlich weniger, als sie befürchten“, so Nowak. Nach der Heilungsphase seien Arbeit, Reisen und Sport meist wieder möglich. Welche Sportarten geeignet sind, sollte individuell mit dem Kardiologen besprochen werden. Der Defibrillator solle nicht einschränken, sondern Sicherheit geben.

Erkennung und Eingriff des Geräts

Der ICD überwacht den Herzrhythmus rund um die Uhr und analysiert das Muster. Er unterscheidet harmlose von lebensbedrohlichen Rhythmusstörungen wie Kammerflimmern. „Zunächst versucht das Gerät, die Störung mit einer schmerzfreien Stimulationsserie zu beenden. Gelingt das nicht, gibt es einen elektrischen Schock ab“, erläutert Nowak. Der Schock wird von Betroffenen als plötzlicher, kräftiger Schlag gegen den Brustkorb beschrieben – schmerzhaft, aber lebensrettend.

Wirksamkeit und Grenzen

Die Geräte sind technisch ausgereift und beenden Rhythmusstörungen in Sekunden. Studien belegen ihre hohe Wirksamkeit zur Verhinderung des plötzlichen Herztodes. Nowak betont jedoch: „Ein Defibrillator behandelt die Rhythmusstörung, nicht die zugrunde liegende Herzerkrankung. Deshalb bleibt eine konsequente Behandlung der Grunderkrankung unverzichtbar.“

Umgang mit der Angst vor dem Gerät

Viele Patienten fürchten den Gedanken, ein Gerät im Körper zu tragen, das jederzeit einen Schock abgeben kann. Nowak rät: „Es hilft, sich bewusst zu machen, wofür der Defibrillator da ist: Er schützt vor dem plötzlichen Herztod und gibt Sicherheit. Er ist quasi ein Schutzengel, der immer dabei ist.“ Bei anhaltender Angst sollten Betroffene mit dem Kardiologen, Pflegekräften oder Selbsthilfegruppen sprechen. Psychokardiologische Begleitung könne ebenfalls sinnvoll sein.

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