Hitze in Deutschland: Experte erklärt, wann Hitze gefährlich wird
Hitzegefahr: Experte erklärt, wann es kritisch wird

Die zunehmende Hitze in Deutschland stellt eine ernsthafte Gesundheitsgefahr dar. Uwe Janssens, ehemaliger Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), warnt: „Das fängt an bei einfachen Störungen, die der- oder diejenige gar nicht wahrnimmt, und reicht vom Sonnenstich über eine Hitzeerschöpfung bis hin zum Hitzschlag – ein wirkliches Notfallproblem.“

Risikogruppen: Ältere Menschen und Kleinkinder besonders gefährdet

Als Hauptrisikogruppe gelten ältere Menschen. Sie sind durch chronische Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Probleme oft vorbelastet, haben ein herabgesetztes Durstempfinden und sind sozial häufiger isoliert. Rainer Wirth, Inhaber des Lehrstuhls für Geriatrie an der Ruhr-Universität Bochum, betont: „Was sehr häufig vernachlässigt wird, ist die durch viele Altersveränderungen bedingte besondere Verletzbarkeit.“ Die zweite große Risikogruppe sind Säuglinge und Kleinkinder. Hermann Josef Kahl, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin, erklärt: „Wenn man da nicht genau aufpasst und sie vor Hitze und Sonneneinstrahlung schützt, laufen die Kleinen Gefahr, wirklich ernsthafte Schäden davonzutragen.“

Was passiert im Körper bei Hitze?

Bei Hitze steigt die Körperkerntemperatur. Normalerweise wird diese durch Schwitzen reguliert. Bei Kleinkindern ist diese Regulation jedoch noch nicht ausreichend entwickelt. Janssens warnt zudem vor Menschen, die sich trotz Hitze stark belasten, etwa durch Sport zwischen 11 und 15 Uhr. Die häufigsten hitzebedingten Erkrankungen sind Sonnenstich, Hitzeerschöpfung und Hitzschlag.

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Sonnenstich: Ursachen und Symptome

Ein Sonnenstich entsteht durch direkte Sonneneinwirkung auf Kopf und Nacken und äußert sich durch Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Schwindel. Im Extremfall kann es zu neurologischen Problemen wie einem Hirnödem kommen. Janssens rät: „Ganz wichtig ist, dass man die Patienten sofort aus der Sonne nimmt, in kühle Räume bringt, den Kopf hoch lagert und Stirn und Nacken mit kühlen, feuchten Wickeln oder Eisbeuteln versorgt.“ Bei neurologischen Auffälligkeiten sollte der Notarzt gerufen werden.

Hitzeerschöpfung und Hitzschlag: Gefahr für den ganzen Körper

Hitzeerschöpfung und Hitzschlag betreffen den gesamten Körper und treten unabhängig von direkter Sonneneinstrahlung auf. Wirth erklärt: „Die Hitzeerschöpfung entsteht durch gleichzeitige Überwärmung des Körpers in Verbindung mit einem Flüssigkeitsmangel.“ Die Körperkerntemperatur steigt auf 39 bis 40 Grad. „Irgendwann hat der Körper zu wenig Flüssigkeit, kann nicht mehr richtig schwitzen, und spätestens dadurch versagt dann die Temperatur-Regulation.“ Die Haut ist gerötet und warm, die Patienten schwitzen kaum noch. Gleichzeitig wird die Versorgung der Organe beeinträchtigt. „Der Körper wird schwach und Muskelkrämpfe können auftreten.“

Beim Hitzschlag steigt die Körpertemperatur auf 40,5 bis 41 Grad. „Spätestens jetzt ist auch das zentrale Nervensystem betroffen“, so Janssens. Es kommt zu Verhaltensauffälligkeiten, verwaschener Sprache und Orientierungsproblemen. „Außerdem haben die Leute dann tatsächlich einen Schweißverlust von bis zu vier Litern und mehr. Das Blut dickt ein, die Blutfließgeschwindigkeit nimmt ab und das Herzzeitvolumen bricht förmlich zusammen. Das ist natürlich eine absolute Katastrophe.“

Tipps zum Schutz vor Hitze

Janssens empfiehlt, Sonnencreme nur auf Stellen aufzutragen, die direkter Sonneneinstrahlung ausgesetzt sind, da sie die Hautporen verklebt und das Schwitzen erschwert. Regelmäßiges Besprühen mit Wasser aus einer Sprühflasche sorgt für Verdunstungskälte, die mit Menthol verstärkt werden kann. Bei Klimageräten sollte die Temperaturdifferenz zur Außentemperatur nicht mehr als sechs Grad betragen, um Kreislaufbelastungen zu vermeiden.

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