Viele Frauen mit ADHS leiden besonders stark unter den Symptomen des prämenstruellen Syndroms (PMS). Ein Facharzt erklärt, woran das liegt und welche Hilfe tatsächlich wirkt. Die Beschwerden treten vor allem in der zweiten Zyklushälfte auf und können das tägliche Leben erheblich beeinträchtigen.
Was ist PMS und wen betrifft es?
Rund 20 bis 30 Prozent aller Frauen sind von PMS betroffen. Die Symptome reichen von Erschöpfung, Reizbarkeit und Konzentrationsproblemen bis hin zu innerer Unruhe, Migräne oder depressiven Verstimmungen. Bei Frauen mit ADHS fallen diese Beschwerden häufig stärker aus. Professor Dr. Stefan Röpke, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, erklärt: „Bei ADHS ist die Hirnchemie anders, was zu einer verstärkten Wahrnehmung von PMS-Symptomen führen kann.“
Warum ADHS und PMS sich gegenseitig verstärken
ADHS geht mit einer Dysregulation von Neurotransmittern wie Dopamin und Noradrenalin einher. In der zweiten Zyklushälfte sinkt der Östrogenspiegel, was diese Effekte noch verstärkt. „Frauen mit ADHS erleben dann oft eine Zunahme von Reizbarkeit, emotionaler Labilität und Konzentrationsschwierigkeiten“, so Röpke. Zudem können Schlafstörungen und Erschöpfung zunehmen, was die ADHS-Symptome zusätzlich verschlimmert.
Sieben Tipps, die wirklich helfen
Der Experte empfiehlt Betroffenen folgende Strategien:
- Zyklus-Tracking: Führen Sie ein Tagebuch, um die Symptome zu dokumentieren und vorherzusagen.
- Medikamenten-Anpassung: Besprechen Sie mit Ihrem Arzt, ob eine Anpassung der ADHS-Medikation in der zweiten Zyklushälfte sinnvoll ist.
- Bewegung: Regelmäßiger Sport, vor allem Ausdauertraining, kann die Stimmung verbessern und Stress reduzieren.
- Ernährung: Vermeiden Sie Zucker und Koffein, setzen Sie stattdessen auf komplexe Kohlenhydrate und eiweißreiche Kost.
- Entspannungstechniken: Yoga, Meditation oder autogenes Training helfen, innere Unruhe zu lindern.
- Schlafhygiene: Achten Sie auf einen regelmäßigen Schlafrhythmus und vermeiden Sie Bildschirme vor dem Schlafengehen.
- Psychotherapie: Kognitive Verhaltenstherapie kann helfen, mit den emotionalen Schwankungen umzugehen.
Wann zum Arzt?
Wenn die Beschwerden den Alltag stark beeinträchtigen, sollte ein Arzt aufgesucht werden. „Nicht jede Frau muss leiden – es gibt wirksame Behandlungen“, betont Röpke. Dazu gehören hormonelle Verhütungsmittel, Antidepressiva oder spezielle ADHS-Medikamente. Auch der Austausch in Selbsthilfegruppen kann entlastend wirken.
Der Schlüssel liegt im Erkennen des Zusammenhangs zwischen ADHS und PMS. „Viele Frauen wissen gar nicht, dass ihre starken PMS-Beschwerden mit ADHS zusammenhängen“, sagt der Facharzt. Eine genaue Diagnose und individuelle Behandlung können die Lebensqualität deutlich verbessern.



