In einer deutlichen Stellungnahme hat Dirk Zingler, der Präsident des 1. FC Union Berlin, mehr Ernsthaftigkeit und Konsequenz im Umgang mit dem Frauenfußball gefordert. Der Vereinsboss übt scharfe Kritik an der seiner Meinung nach oft nur oberflächlichen Unterstützung für die Gleichberechtigung im Sport.
Vorwurf der Scheinheiligkeit
„Ich beschwere mich dabei über Scheinheiligkeit. Alle sprechen von Diversität und von Gleichberechtigung. Aber sie wird zu oft nicht wirklich gelebt. Es werden Armbinden mit Regenbogenfarben getragen, das Brandenburger Tor angestrahlt. Wenn das Licht wieder ausgeht, machen zu viele weiter wie bisher“, kritisierte Zingler in der Bild-Zeitung. Er fordert ein Umdenken: Statt symbolischer Aktionen müsse echte Gleichstellung im Alltag der Vereine und Verbände verankert werden.
Union Berlin als Vorreiter
Die Köpenicker gelten mit ihrer Frauenabteilung als Leuchtturmprojekt. Vor wenigen Jahren begann die Professionalisierung: Die Spielerinnen erhielten Profiverträge und ein „entsprechendes Gehalt“, wie Zingler damals betonte. Die Heimspiele der Frauen finden im Stadion An der Alten Försterei statt. Aktuell entsteht ein gemeinsames Trainingszentrum für Frauen und Männer. „Ich freue mich jetzt schon zu sehen, wie unser Trainer Mauro Lustrinelli und unsere Trainerin Marie-Louise Eta mittags an einem Tisch zusammen essen und über Fußball diskutieren“, sagte Zingler. Für ihn ist der Frauenfußball kein separates Ökosystem, sondern ein integraler Bestandteil des Vereins.
Kritik an der Branche
Umso schärfer fällt Zinglers Urteil über andere Akteure aus. „Vielerorts wird nichts von dem gemacht, was wir bei der Herstellung der Attraktivität des Männerfußballs gelernt haben. Deshalb sage ich, wir halten ihn klein. Bei den Jungs probieren das alle, weil sie vielleicht mal Millionär werden können. Aber welche Eltern bringen ihre Tochter zum Fußball, wenn man vielerorts nicht mal ein normales Gehalt bekommt?“, fragte der 61-Jährige. Er verwies auf Fachzeitschriften, die von 96 Seiten nur eine einzige dem Frauenfußball widmen. „Das können ja alle so machen, aber dann sollen sie mit ihrem Gerede über Gleichberechtigung aufhören“, forderte der Vereinsboss.
Zinglers Appell richtet sich an die gesamte Fußballbranche: Statt leerer Worte seien Taten gefragt – faire Bezahlung, Sichtbarkeit und Investitionen in die Infrastruktur. Nur so könne der Frauenfußball nachhaltig gestärkt werden.



