Berlin. Die Fußball-Weltmeisterschaft steht vor der Tür und mit ihr die alljährliche Herausforderung für viele Paare: Der eine Partner ist ein leidenschaftlicher Fußballfan, der andere kann der Begeisterung wenig abgewinnen. Die Spannung steigt, wenn die Spiele im Minutentakt übertragen werden und der Fan keine Partie verpassen möchte. Die Berliner Paartherapeutin und Buchautorin Anna Wilitzki hat in ihrer Praxis viele solcher Fälle erlebt und gibt wertvolle Ratschläge, wie Paare die WM-Zeit ohne unnötigen Streit überstehen können.
Wenn Fußball zur Belastungsprobe wird
„Ich hätte gedacht, du schaust tatsächlich nur die Deutschland-Spiele und hängst nicht ständig am Fernseher oder bist unterwegs“, motzt Marta ihren Freund Viktor irgendwann an. Schon bei der Europameisterschaft vor zwei Jahren war sie total gereizt vom ständigen Fußballschauen ihres Partners. Jetzt ist Deutschland erneut im Fußballfieber. Auch bei der WM werden die Spiele wieder dicht getaktet übertragen – teils gleich mehrere Partien an einem Tag. Das kann für Beziehungen zur Belastungsprobe werden – insbesondere, wenn einer der beiden Partner ein deutlich größerer Fußball-Fan ist als der andere.
Warum Paare aneinander vorbeireden
Oft liegt der Konflikt nicht nur im Fußball selbst begründet, sondern in der unterschiedlichen Erwartungshaltung. Der Fußballfan fühlt sich möglicherweise unverstanden und in seiner Leidenschaft eingeschränkt, während der andere Partner das Gefühl hat, vernachlässigt zu werden. Anna Wilitzki betont, dass es wichtig sei, offen über die eigenen Bedürfnisse zu sprechen, anstatt sich in Vorwürfen zu verlieren. „Viele Paare reden aneinander vorbei, weil sie nicht klar kommunizieren, was sie wirklich stört“, erklärt die Therapeutin.
Praktische Tipps für eine harmonische WM-Zeit
- Gemeinsame Planung: Setzen Sie sich zusammen und schauen Sie sich den Spielplan an. Markieren Sie die Spiele, die der Fan unbedingt sehen möchte, und planen Sie gemeinsame Aktivitäten außerhalb der Spielzeiten.
- Kompromisse finden: Vielleicht kann der Fan ausgewählte Spiele live verfolgen, während andere nur als Zusammenfassung geschaut werden. Oder der nicht-fußballbegeisterte Partner nutzt die Zeit für eigene Hobbys.
- Fußball-Partys vermeiden: Wenn der Partner keine Lust auf Fußball hat, sollte man nicht erwarten, dass er bei jedem Spiel dabei ist. Getrennte Aktivitäten sind in Ordnung.
- Zeit für Zweisamkeit: Planen Sie bewusst fußballfreie Tage oder Abende ein, um die Beziehung zu pflegen. Das kann ein gemeinsames Essen oder ein Spaziergang sein.
Was tun, wenn der Fußball zur Sucht wird?
In manchen Fällen kann die Begeisterung für Fußball so überhandnehmen, dass sie die Beziehung ernsthaft gefährdet. Wenn der Partner nicht mehr in der Lage ist, andere Verpflichtungen wahrzunehmen oder die gemeinsame Zeit komplett vernachlässigt wird, kann dies auf ein Suchtverhalten hindeuten. In solchen Fällen empfiehlt Anna Wilitzki, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. „Fußball sollte die Beziehung bereichern, nicht zerstören“, sagt sie.
Fazit: Mit Kommunikation und Respekt durch die WM
Die Fußball-WM muss nicht zwangsläufig zu Streit führen. Mit einer offenen Kommunikation, gegenseitigem Respekt und klaren Absprachen können Paare die Zeit harmonisch gestalten. Wichtig ist, dass beide Partner ihre Bedürfnisse äußern und bereit sind, Kompromisse einzugehen. Dann kann die WM sogar eine Gelegenheit sein, die Beziehung zu stärken – indem man lernt, mit unterschiedlichen Interessen umzugehen.



