Alice Schwarzer: Rente als "Riesenthema" für die Frauenbewegung
Die Publizistin und Feministin Alice Schwarzer hat die Rentenpolitik als eines der drängendsten Themen der deutschen Frauenbewegung bezeichnet. In einem Interview mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Köln betonte sie, dass die überwältigende Mehrheit der Frauen mit kleinen Kindern in Teilzeit arbeite. Während die Frau Teilzeit arbeite und den Haushalt schmeiße, mache der Mann Karriere. Dies führe zu erheblichen Nachteilen bei der Altersvorsorge.
Karrieresprung der Männer bei Geburt der Kinder
Schwarzer wies auf Studien hin, die belegen, dass Männer den größten Karrieresprung machen, wenn das erste und das zweite Kind kommen. Die Teilzeitarbeit erweise sich für viele Frauen als Sackgasse. Im Falle einer Trennung seien Frauen dann auf ihre selbst erworbenen Rentenrechte angewiesen und stünden oft schlecht da. Die Emma-Herausgeberin kritisierte, dass der Gehaltsunterschied zwischen Männern und Frauen auf dem Papier zwar auf sechs Prozent gesunken sei, dies aber immer noch zu viel sei.
Familienpause und Teilzeit als Ursachen
Viele Frauen müssten trotz vergleichbarer Gesamtarbeitsleistung mit weniger Rente rechnen als Männer. Dies liege daran, dass Frauen häufig ihre Erwerbsarbeit unterbrächen, um sich um die Kinder zu kümmern, und anschließend in Teilzeit arbeiteten. Schwarzer forderte daher eine bessere Infrastruktur bei der Kinderbetreuung. Es fehlten Ganztagsschulen und Ganztagskindergärten. Die Situation in Ostdeutschland sei günstiger, was die Statistiken verbessere, sonst wäre es noch viel schlimmer.
Forderungen an die Politik
Schwarzer appellierte an die Politik, die Rahmenbedingungen für Frauen zu verbessern. Dazu gehöre nicht nur der Ausbau der Kinderbetreuung, sondern auch eine Reform des Rentensystems, das Frauen benachteilige. Die Frauenbewegung müsse das Thema Rente ganz oben auf die Agenda setzen, um die Gleichstellung auch im Alter zu erreichen.



