Eine promovierte Paartherapeutin hat einen vielbeachteten Satz des Kriminalbeamten Dirk Peglow aufgegriffen und ihm zugestimmt. Peglow hatte gesagt, dass Frauen statistisch gesehen lieber keine Beziehung mit einem Mann eingehen sollten, da das Risiko, Opfer von Gewalt zu werden, deutlich erhöht sei. Die Therapeutin bestätigt dies aus ihrer täglichen Praxis.
Die Realität in der Paartherapie
In ihrer Berliner Praxis erlebt die Therapeutin täglich, was diese Statistik bedeutet: Frauen in wirtschaftlicher Abhängigkeit, die die gesamte Sorgearbeit tragen, von Partnern kontrolliert oder misshandelt werden – psychisch wie physisch. Sie beschreibt das Phänomen der „weaponized incompetence“, die unsichtbare mentale Last von Frauen und die tief verinnerlichten Machtstrukturen, die selbst Attraktivitätsnormen und Sexualpraktiken durchziehen.
Ihre Kritik richtet sich nicht gegen Männer als Individuen, sondern gegen das Patriarchat als Struktur. Eine Langzeitbeziehung zwischen Frau und Mann sei kein privates Glücksprojekt, sondern ein politisches Verhältnis – mit strukturell ungleich verteilten Kosten zulasten der Frau. Als Mutter zweier Söhne ringt sie selbst mit diesem Widerspruch. Ihr Appell: Beide Partner müssen die strukturellen Ungleichheiten aktiv benennen und bekämpfen – beim Geld, beim Sex, bei der Macht.
Reaktionen aus der Community
Der Beitrag trifft einen Nerv. Viele Kommentierende teilen die Kritik an traditionellen Rollenbildern und sehen Frauen in Beziehungen bis heute häufiger belastet – durch Sorgearbeit, Abhängigkeiten oder männliche Privilegien. Widerspruch gibt es vor allem gegen die Zuspitzung des Textes. Auffällig viele Männer unterstützen jedoch die Forderung nach einem Umdenken.
Selbstkritische Stimmen von Männern
Ein Nutzer namens Heya_Safari schreibt: „Ich finde, diesen Text in seiner sorgfältigen Abwägung gut und treffend. Die Therapeutin spricht an, wie sie selbst mit ihrer beruflich geschuldeten Neutralität dazu beiträgt, die beschriebene Unwucht in Paarbeziehungen aufrechtzuerhalten. Wie sehr sie selbst als Mutter zweier zukünftiger Männer ‚das Problem‘ weiter befördert. Und der Text ist für mich als Mann wie immer erst mal kränkend, weil ‚Ich doch aber nicht!‘. Aber eben vor allem solche wie ich. Männer.“
Er fährt fort: „Ich weiß von mir selbst und kann es jeden Tag nachlesen und um mich herum sehen, dass ihre Analyse stimmt: Dass auch ich, ein ‚aufgeklärter Mann‘ die Erwartung an meine Partnerin habe, unsere emotionalen Probleme – vor allem auch meine emotionalen Probleme – zu bearbeiten. Ich weiß, dass die Welt für mich als Hetero-Mann eingerichtet ist. Dass ich privilegiert bin, als Mann. ‚Komm Großer, geh raus und erobere die Welt! Und wenn dabei ein bisschen was zu Bruch geht, naja, das kann passieren. Er meint es ja nicht böse.‘“
Ein anderer Nutzer, Bjurum, meint: „Wir Männer müssen uns wirklich radikal ändern. Checkt ihr, was in den Medien über uns geschrieben wird? Man kann es nicht beiseite schieben und weitermachen. Es geht vielleicht darum sich zu fragen, wie muss ich sein, damit eine Partnerin sich zu mir hingezogen fühlt und mich wählt. Was liegt in meiner Macht, was nicht, wo kann ich wie zu einem harmonischen Miteinander beitragen? Wann überlasse ich lieber anderen den Raum und halte mich zurück? Im Bewusstsein dass sich nie eine für dich entschieden wird, kann die Wertschätzung für eine Person liegen, die dich trotzdem wählt. Es gibt kein Recht auf emotionale oder körperliche Nähe.“
Kritik an der Zuspitzung
Ein Kommentator namens AlexHH1 übt Kritik: „Der Text ist natürlich bewusst maximal provokant gebaut. Teilweise analytisch interessant, teilweise gesellschaftlich nachvollziehbar, teilweise allerdings auch so zugespitzt, dass man sich fragt, ob der nächste logische Schritt die steuerliche Benachteiligung gemeinsamer IKEA Besuche ist. Bemerkenswert ist vor allem die völlige Selbstverständlichkeit, mit der pauschale Generalabrechnungen über ganze Gruppen gesellschaftlich akzeptabel wirken, solange die ‚richtige‘ Zielgruppe getroffen wird. Man stelle sich denselben Tonfall einmal umgekehrt vor: ‚Immer mehr Männer haben die Nase voll von Frauen.‘“
Er ergänzt: „Spätestens ab Absatz 3 würde halb Deutschland bereits hektisch den Verfassungsschutz wählen, während im Feuilleton erste Sonderseiten über toxische Männlichkeit, patriarchale Gewaltphantasien vorbereitet würden. Natürlich existieren reale Probleme: ungleiche Sorgearbeit, psychische Belastung, häusliche Gewalt, emotionale Überforderung. Vieles davon ist absolut ernst zu nehmen. Nur entwickelt sich gesellschaftlich inzwischen eine gewisse Lust an der moralischen Komplettabwertung ganzer Gruppen: Männer. Alte weiße Männer, Boomer, Ossis, Wessis, Fleischesser, SUV Fahrer, Akademiker, Bürgergeldempfänger, Vermieter, Veganer.“
Zustimmung und Bestätigung
Ein Nutzer namens Ottmar schreibt: „Naja,… die Fakten sprechen klar für die Sichtweise der Autorin. Ich als Mann kann das leider auch nur bestätigen. Man wird als Mann unter seinesgleichen schon sehr schräg angesehen, wenn man sich als ‚Hausmann‘ outet, vor allem, wenn man doch eigentlich vermeintlich höher qualifiziert wäre. Aber genau da liegt der Haase im Pfeffer begraben. Männer wollen und sollen sich nicht ändern, was zum großen Teil auch an Frauen liegt: Ich habe unzählige Mütter erlebt, die sich über den Egoismus und die ‚Faulheit‘ ihrer Schwiegertöchter beschwerten und auch einiges dazu beigetragen haben, dass Ehen gescheitert sind.“
Er fährt fort: „Hinzukommt, dass Männer mit etwas Habitus Ü50 fast keine Probleme haben ‚Hübsche‘ ‚Neue‘ Partnerinnen zu finden, womit sich Frauen im selben Alter fast nur noch mit dem ‚Bodensatz‘ der Gesellschaft abfinden dürfen oder lesbisch oder Single bleiben müssen. Aber solange es willige Frauen gibt die es gerne auch mit 10 oder 20 Jahre älteren Männern versuchen eine Familie zu gründen, weil der Ernährer ja so gut für sie sorgt. Ausnahmen gibt es, ja, aber einfach zu wenige. Männer, die von sich aus Care-Arbeit übernehmen gelten auch schlicht und ergreifend als ‚Schlappschwänze‘ und behalten das dann lieber für sich. Nur Looser putzen freiwillig Toiletten.“
Eine Nutzerin namens thun kommentiert: „An alle Relativierer: wie schon im Artikel selbst geschrieben: Nicht alle Männer, aber die Zahlen belegen eindeutig, wer die meiste Care-Arbeit unentgeltlich verrichtet. Und einer Frau die Expertise abzusprechen, die täglich mit Paaren arbeitet und wohl einen guten Überblick hat, wer emotional nahbarer ist, ist von der Couch aus, schon ziemlich gewagt. Und genau mit solchen Relativierungs-Kommentaren fängt die Abwälzung von Verantwortung an.“
Weitere Stimmen
Ein Nutzer namens Minztee zitiert einen Spruch: „Tja. Ich habe kürzlich erst den Spruch gelesen: ‚Wenn Homosexualität eine Entscheidung wäre, dann wären viel mehr Frauen lesbisch.‘ Und ich finde, das kann man ruhig so stehen lassen.“
Konfetti meint: „Wenn wir das mit der Gleichberechtigung mal auf die Reihe bekommen würden, wäre viel gewonnen. Und vielleicht würde sogar die Geburtenrate wieder steigen. Aber solange es ein so massives Problem mit männlicher Gewalt und Abwertung von Frauen gibt, ist tatsächlich jede Frau gut beraten, sich nicht auf eine heterosexuelle Beziehung einzulassen.“
Eine Nutzerin namens Pat7 schreibt: „Das Forum zeigt wie Männer reagieren wenn die ungeschminkt mit den Ansichten von Frauen über die konfrontiert werden. Verleugnen, verunglimpfen und diffamieren der Autorin ist die Folge. Das die dadurch jedoch die Autorin bestätigen, bemerken die überhaupt nicht. Dass heterosexuelle Frauen auch ohne Männer glücklich sein können oder gar glücklicher als mit Mann, darf natürlich nicht sein. Und an den Männern, Gottes Geschenk an die Menschheit kann das natürlich überhaupt nicht liegen. Dann kann ja mit der Frau was nicht stimmen. Die Realität zeigt, dass sich immer mehr Frauen dem entziehen und ihr eigenes Leben führen so wie sie das wollen und ganz ohne Familie glücklich und zufrieden sind.“
Leona stimmt dem Artikel im Kern zu, kritisiert aber die Kommentarspalte: „Ich stimme dem Artikel im Kern zu: Natürlich existieren patriarchale Muster, männliches Dominanzverhalten und eine Form von Sozialisation, die Frauen oft zutiefst belastet und schlicht ungerecht ist. Wer so tut, als sei das alles bloß ‚Feminismus-Hysterie‘, macht es sich sehr bequem. Aber genau deshalb ist diese explodierende Kommentarspalte so unerquicklich. Statt sich ernsthaft mit dem Inhalt auseinanderzusetzen, reagieren viele hier mit denselben Pauschalisierungen, die sie am Artikel kritisieren — nur eben ethnisch umcodiert. Plötzlich sind dann ‚die Muslime‘, ‚die Migranten‘ oder ‚die importierten Kulturen‘ das eigentliche Problem. Das ist analytisch billig und politisch ziemlich durchschaubar.“
Sie ergänzt: „Auffällig ist ja: Manche entdecken feministische Argumente exakt in dem Moment für sich, in dem sie sich gegen Minderheiten richten lassen. Patriarchat gilt dann nicht mehr als allgemeines gesellschaftliches Problem, sondern als Eigenschaft ‚der anderen‘. So wird aus Geschlechterkritik ein Kulturkampf — und aus komplexen sozialen Fragen bloß identitäres Lagerdenken. Der Thread zeigt damit eigentlich sehr gut, wie schwer viele Menschen inzwischen noch Ambivalenz aushalten: Entweder alle Männer sind Täter oder jede Kritik an männlichem Verhalten wird sofort auf Migranten projiziert. Dazwischen scheint kaum noch Denken stattzufinden.“
Ein Paartherapeut namens Naish widerspricht: „Ein ziemlich negatives Bild. Ich bin auch Paartherapeut und mache durchaus positive Erfahrungen in der Entwicklung von Paarbeziehungen. Wer so ‚die Schnauze voll‘ hat, kommt weder zur Paartherapie noch würde er weiter den Beruf ausüben!“ Darauf antwortet ein Nutzer: „Naja, an dem Punkt ist die Kollegin eventuell ja auch gerade, deshalb der ‚Zwischenruf‘. Indem gesellschaftliche Probleme ins Private verlagert, strukturelle Machtasymmetrien zwischen Männern und Frauen therapeutisch ignoriert und beide Geschlechter pauschal auf eine angeblich ‚gleiche‘ Ebene mit 50/50-Verantwortung gestellt werden, wird das toxische System nicht hinterfragt, sondern stabilisiert – zulasten der Frauen. Damit machen Sie sich meines Erachtens als Therapeut zum systemerhaltenden Werkzeug. Ich bin daher für jede kritische Stimme aus ihrem Berufsstand dankbar!“



