Der Monbijoupark in Berlin-Mitte, dessen Name aus dem Französischen übersetzt „mein Schmuckstück“ bedeutet, gilt als grüne Oase gegenüber der Museumsinsel. Auf rund vier Hektar erstreckt sich die Parkanlage, die einst Teil des königlichen Schlossgartens war. Doch Anwohner schlagen Alarm: Der Park verkomme zusehends. Eine besorgte Bürgerin wandte sich nun an die Öffentlichkeit, um auf die Missstände aufmerksam zu machen.
Anwohnerin beklagt Verwüstung des Kulturerbes
„Vergeblich kämpfen wir seit Jahren gegen die Verwüstung unseres Kulturerbes“, sagt Anna Kraft, Philologin und Anwohnerin. Sie beobachtet mit Sorge, dass der idyllische Park sich negativ verändert. Zusammen mit anderen Anwohnern leide sie unter „starker Rauchbelastung durch stundenlanges Grillen, erheblichen Müllmengen, Lärm und einer zunehmenden Überbeanspruchung der Grünflächen.“ Die Folgen seien „nicht nur sichtbar, sondern auch riechbar.“ Zudem belaste eine starke Rattenplage die Haushalte in der Umgebung.
Rattenplage im Bezirk Mitte
Ratten sind seit Jahren ein bekanntes Problem im Bezirk Mitte. Laut dem Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) gab es im Jahr 2025 im Herzen Berlins 1.703 Bekämpfungsmaßnahmen gegen Ratten. Auch im Monbijoupark werden die Nager, besonders in den Abendstunden, immer wieder gesichtet. Überquellende Papierkörbe, heruntergefallene Essensreste und Grillabfälle locken die Tiere bei Einbruch der Dunkelheit aus ihren Verstecken hervor.
Grillen nur auf ausgewiesener Fläche erlaubt
Das Grillen im Monbijoupark ist nicht komplett verboten, aber streng reguliert. Es ist ausschließlich auf einer kleinen, speziell ausgewiesenen Fläche in der Nähe der Oranienburger Straße gestattet. Dennoch scheinen sich viele Besucher nicht daran zu halten, was zu den genannten Problemen führt. Das Bezirksamt Mitte erklärte auf Nachfrage der Morgenpost, dass keine Klagen im juristischen Sinne vorlägen. „Das Verhältnis der Personen, die sich für oder gegen das Grillen aussprechen, wirkt ausgeglichen.“ In der letzten Sitzung des Kommunalparlaments (BVV) habe es Anfragen sowohl für mehr als auch für weniger Grillaktivitäten im Park gegeben. Für die Reinigung sei allein die BSR zuständig.
Vom Monbijouschloss zur Calisthenics-Anlage
Einst wandelte im Monbijoupark die preußische Königin Luise Henriette von Oranien durch kunstvolle Gartenanlagen. Das Rokoko-Schloss wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. Nach dem Abriss der Ruine im Jahr 1959 entstand bereits ein Jahr später die beliebte Grünanlage, die auch das traditionsreiche Kinderfreibad umfasst. Heute befindet sich hier einer der beliebtesten Kinderspielplätze Berlins, der vom Bezirk Mitte zu den 12 am besten bewerteten Spielplätzen im Herzen der Hauptstadt gezählt wird. Die Kinder toben quasi im ehemaligen königlichen Schlossgarten direkt an der Spree. Von einer Expertenjury erhielt der abwechslungsreiche Spielplatz 20,48 Punkte.
Hinter dem Kinderspielplatz liegt die Calisthenics-Sportanlage. Der Platz mit Klimmzugstangen, barrierefreiem Barren, Monkey Bars und Wall Bars ist öffentlich und als Outdoor-Workout-Bereich rund um die Uhr frei zugänglich. Calisthenics ist ein seit Jahren anhaltender Trend in der Street-Workout-Szene, der Anfang der 2000er Jahre in den USA populär wurde. Trainiert wird fast ohne Hilfsmittel, nur mit dem eigenen Körpergewicht.
Die Anwohner hoffen nun, dass der Bezirk die Probleme ernst nimmt und Maßnahmen ergreift, um den Monbijoupark wieder zu einem Schmuckstück zu machen. Bislang sieht das Bezirksamt jedoch keinen dringenden Handlungsbedarf.



