Am Landgericht Frankfurt hat am Dienstag der Prozess gegen einen 29-jährigen Mann begonnen, der beschuldigt wird, in einem Keller im Stadtteil Sachsenhausen einen anderen Mann gefoltert zu haben. Zum Auftakt räumte der Angeklagte die Tat teilweise ein. Laut Verlesung seiner Einlassung durch einen seiner Anwälte schlug er das Opfer unter anderem mit einem Kabel, zog ihm für wenige Sekunden eine Plastiktüte über den Kopf und würgte es. Er habe die Tat aus „tiefer Enttäuschung“ über das Verhalten des Mannes begangen und schäme sich dafür.
Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten vor, das nur mit einer Unterhose bekleidete und an den Händen gefesselte Opfer mehr als drei Stunden lang im Keller festgehalten und auf verschiedene Weise gequält zu haben, sodass dieses Todesangst erlitt. Zudem soll er gedroht haben, auch die Familie des Opfers zu foltern. Die Anklage lautet unter anderem auf Freiheitsberaubung, besonders schwere räuberische Erpressung und gefährliche Körperverletzung.
Hintergrund der Tat soll ein angeblicher Diebstahl von 40.000 Euro durch das Opfer sein, das als Mitarbeiter des Bruders des Angeklagten tätig war. Der Bruder, der sich am Tattag im Ausland aufhielt, soll per Videotelefonie an den Folterungen beteiligt gewesen sein. Gegen ihn läuft ein separates Strafverfahren. Ziel der Folter war es offenbar, ein Geständnis und eine Zahlung zu erzwingen. Laut Anklage willigte das Opfer schließlich ein, 10.000 Euro zu zahlen und die restlichen 30.000 Euro abzuarbeiten. Nach seiner Freilassung am späten Abend ging der Mann zur Polizei.
Mitangeklagt ist ein 30-jähriger Mann wegen Beihilfe. Er soll an der Kellertreppe Wache gehalten haben, was er zum Prozessauftakt bestritt. Der Prozess ist bis Ende November terminiert.



