Der aktuelle Jahresbericht des Berliner Verfassungsschutzes für das Jahr 2025 zeigt eine besorgniserregende Entwicklung: Immer mehr Jugendliche und junge Erwachsene geraten ins Visier extremistischer Gruppen. Diese nutzen gezielt die populären Kanäle der sozialen Medien, um ihre Propaganda zu verbreiten und Nachwuchs zu rekrutieren. Die Innensenatorin Iris Spranger (SPD) bezeichnete diese Entwicklung als „besorgniserregend“.
Anstieg des verfassungsfeindlichen Personenpotenzials
Laut dem Bericht ist das verfassungsfeindliche Personenpotenzial in allen Bereichen des Extremismus gestiegen. Sowohl Linksextremisten, Rechtsextremisten als auch die islamistische Szene verzeichnen Zulauf. Besonders dramatisch ist die Zunahme bei den Rechtsextremisten, wo eine neue „Jugendkultur“ entsteht. Erstmals führt der Verfassungsschutz die Kategorie „Gewaltorientierte rechtsextremistische Netzkulturen“ auf, die das Erscheinungsbild des Rechtsextremismus in Berlin im vergangenen Jahr maßgeblich geprägt haben.
Rechtsextremismus: Neue Netzkulturen und steigende Aggressivität
Die rechtsextremistische Szene in Berlin tritt spürbar aggressiver auf. Zu den relevanten Gruppen zählen die Partei „Der III. Weg“ mit ihrer Jugendorganisation „Nationalrevolutionäre Jugend“ (NRJ), die Partei „Die Heimat“ (ehemals NPD) sowie die sogenannte Neue Rechte. Insgesamt stieg das rechtsextremistische Personenpotenzial auf 1.480 Menschen, nach 1.450 im Jahr 2024.
Linksextremismus: Gewaltbereitschaft im Umweltschutz
Im Bereich des Linksextremismus beobachtet der Verfassungsschutz eine zunehmende Gewaltbereitschaft, insbesondere im Kontext der Umweltpolitik. Unabhängig agierende Kleingruppen propagieren und üben Gewalt aus, wobei staatliche Einrichtungen, Unternehmen und kritische Infrastruktur im Fokus stehen. Im Jahr 2025 gab es mehrere Brandanschläge dieser Art. Der schwerwiegendste Vorfall ereignete sich am 9. September 2025 gegen den Technologie-Standort Adlershof, der einen tagelangen Stromausfall für Zehntausende Menschen verursachte. Die Ideologie des „Öko-Anarchismus“ hat laut Verfassungsschutz zur Radikalisierung des gewaltorientierten Teils der linksextremistischen Szene beigetragen. Das Personenpotenzial im Linksextremismus stieg auf 3.950 Personen (2024: 3.800), darunter auch Mitglieder von gewaltorientierten autonomen und postautonomen Gruppen.
Islamismus: Massive Internetpropaganda
Die Zahl der Islamisten in Berlin wuchs auf etwa 2.590 Personen (2024: 2.440). Internationale Terrororganisationen und salafistische Prediger haben ihre Aktivitäten im Internet verstärkt und professionalisiert. Salafistische Inhalte verbreiten sich schneller und direkter und erreichen über soziale Medien vor allem immer mehr junge Menschen. Dies hat sich zu einem zentralen Radikalisierungstreiber entwickelt.
Extremistische israelfeindliche Szene
Der Verfassungsschutz listet zudem die extremistische israelfeindliche Szene als Akteur auf. Sie verbreitet weiterhin israelfeindliche Propaganda und war erneut für zahlreiche Veranstaltungen verantwortlich, auf denen das Existenzrecht Israels geleugnet und der Terror der islamistischen Hamas gefeiert wurde. Genannt wurden Gruppen wie das „Vereinigte Palästinensische Nationalkomitee“, „BDS Berlin“ und „Young Struggle“. Der Szene werden etwa 600 Mitglieder zugerechnet.



