Jüdischer Arzt in Berlin entlassen wegen Kufiya-Schal
Jüdischer Arzt entlassen wegen Kufiya-Schal

Jüdischer Arzt verliert Stelle wegen Kufiya-Schal

André Lerner, ein jüdischer Assistenzarzt, wurde während seiner Probezeit in den DRK-Kliniken Westend in Berlin gekündigt. Der Grund: Er trug eine Kufiya, ein traditionelles palästinensisches Tuch, das er als Symbol der Menschlichkeit und Solidarität mit Palästina versteht. Der Chefarzt betrachtete das Tuch hingegen als antisemitisches und terroristisches Symbol.

Hintergrund des Konflikts

Lerner, dessen Eltern aus der ehemaligen UdSSR nach Berlin flohen, wuchs ohne religiöse oder politische Ideologie auf. Er betont, dass das Judentum ein wichtiger Teil seiner Herkunft sei. Schon früh habe er bei Besuchen in Israel Ungleichbehandlung zwischen jüdischen und arabischen Menschen beobachtet. Eine Fahrradtour durch Israel vor sechs Jahren öffnete ihm die Augen: Er erlebte offenen Rassismus gegen Palästinenser, etwa dass Menschen bespuckt wurden.

Die Kufiya trug Lerner zunächst als modisches Accessoire, später als humanistisches Statement. Er argumentiert, dass man über Genozid nicht diskutieren könne, und verweist auf die schweren Vorwürfe gegen die israelische Regierung im Gazastreifen.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Gespräch mit dem Chefarzt

Ein Kollege fragte Lerner, ob er auch ein Thor-Steinar-T-Shirt tragen würde, und bezeichnete die Kufiya als antisemitisches Symbol. Daraufhin wurde Lerner zum Chefarzt zitiert. Dieser erklärte, das Tragen des Schals verstoße gegen die therapeutische Neutralität. Lerner entgegnete, dass andere Symbole wie Regenbogenfahnen als Zeichen der Menschlichkeit akzeptiert würden. Vier Monate lang geschah nichts, doch vier Tage vor Ende der Probezeit erhielt Lerner die Kündigung. Die Sekretärin des Chefarztes bestätigte, dass die Kufiya der Grund sei.

Rechtliche Situation und Reaktion der DRK-Kliniken

Da Lerner sich in der Probezeit befand, griff kein Kündigungsschutz. Der Betriebsrat konnte nicht eingreifen. Die DRK-Kliniken äußerten sich nicht zur Kündigung, verwiesen aber auf die Rotkreuz-Grundsätze, darunter das Prinzip Menschlichkeit. Lerner, der nebenbei als Industriekletterer arbeitete, hatte Aufträge abgesagt und steht nun ohne finanzielle Absicherung da. Eine muslimische Kollegin mit Kopftuch, die sich ebenfalls unwohl fühlte, sucht einen neuen Job.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration