Ende einer Ära: „Babka & Krantz“ in Friedenau schließt
Die einzige jüdische Meisterbäckerei Berlins, „Babka & Krantz“ im Ortsteil Friedenau (Bezirk Tempelhof-Schöneberg), hat ihre Türen für immer geschlossen. Das Café, das für seine traditionellen jüdischen Backwaren bekannt war, musste nach einer Reihe von Vorfällen aufgeben. Bäckermeister Shahar Elkin, der das Geschäft mit viel Leidenschaft führte, sah sich gezwungen, den Betrieb einzustellen.
Anhaltende verbale Übergriffe als Hauptgrund
Laut Elkin waren „anhaltende verbale Übergriffe“ ein wesentlicher Faktor für die Schließung. In den letzten Monaten häuften sich aggressive Kommentare und Beleidigungen gegenüber dem Personal und dem Inhaber selbst. Die Atmosphäre wurde zunehmend feindselig, was den täglichen Betrieb massiv beeinträchtigte. „Wir haben versucht, dagegenzuhalten, aber irgendwann war die Belastung zu groß“, erklärte Elkin gegenüber dem Bezirksreporter Leonard Laurig.
Wirtschaftliche Herausforderungen
Neben den Übergriffen spielten auch wirtschaftliche Faktoren eine Rolle. Die gestiegenen Kosten für Rohstoffe und Energie sowie die allgemeine Inflation setzten dem Betrieb zu. Die Bäckerei, die für ihre hochwertigen Produkte bekannt war, konnte die Preise nicht unbegrenzt erhöhen, ohne Kunden zu verlieren. „Wir haben lange gekämpft, aber die Kombination aus Anfeindungen und finanziellen Problemen war nicht mehr zu bewältigen“, so Elkin.
Ein Verlust für die jüdische Gemeinschaft
Die Schließung von „Babka & Krantz“ ist ein herber Verlust für die jüdische Gemeinschaft in Berlin. Die Bäckerei war nicht nur ein Ort für traditionelle Gebäcke wie Babka und Challah, sondern auch ein Treffpunkt für Menschen aller Hintergründe. Viele Stammkunden zeigten sich bestürzt. „Es ist traurig, dass ein solcher Ort schließen muss. Hier hat man nicht nur gutes Brot bekommen, sondern auch ein Stück Kultur“, sagte eine regelmäßige Besucherin.
Reaktionen aus der Politik
Bezirksbürgermeister von Tempelhof-Schöneberg zeigte sich betroffen: „Die Schließung ist ein alarmierendes Zeichen. Wir müssen entschlossener gegen Antisemitismus vorgehen.“ Auch der Senat von Berlin kündigte an, die Sicherheitsmaßnahmen für jüdische Einrichtungen zu überprüfen. Die Polizei ermittelt bereits zu den Vorfällen, die zur Schließung führten.
Ein neuer Anfang?
Shahar Elkin schließt nicht aus, in Zukunft einen neuen Standort zu suchen. „Ich möchte weitermachen, aber unter Bedingungen, die Sicherheit und Respekt garantieren.“ Ob und wann es eine Wiedereröffnung geben wird, ist derzeit noch offen. Fest steht: Mit „Babka & Krantz“ verliert Berlin ein Stück jüdischer Backtradition.



