Berlin – Schon als Kind fühlte sich Jessica oft anders. „Auf Familienfeiern oder Kindergeburtstagen war ich schnell überfordert“, berichtet die heute 32-Jährige. Grelles Licht, laute Geräusche oder viele Stimmen setzten ihr zu. „Nach der Schule war ich teilweise so ausgelaugt, dass ich zu Hause erst mal bis in die Abendstunden geschlafen habe.“
Was ist Hochsensibilität?
Jessica ist hochsensibel. Dieses Persönlichkeitsmerkmal betrifft etwa 20 Prozent der Bevölkerung. Hochsensible Menschen nehmen Reize aus der Umwelt intensiver wahr – ihnen fehlt gewissermaßen ein Filter für Sinneseindrücke. Es handelt sich nicht um eine Krankheit, sondern um eine besondere Empfindsamkeit.
Vom Zweifel zur Stärke
„Irgendwann zweifelst du an dir selbst“, sagt Jessica. Lange Zeit fühlte sie sich überfordert und anders. Doch mittlerweile hat sie gelernt, ihre Hochsensibilität als Stärke zu nutzen. Sie nimmt Gefühle und Stimmungen feiner wahr, was ihr in zwischenmenschlichen Beziehungen hilft. Auch ihre Kreativität profitiert davon.
Was Jessica half
Um die Reizüberflutung zu bewältigen, hat Jessica Strategien entwickelt. Dazu gehören regelmäßige Auszeiten, bewusste Atemübungen und das Vermeiden von übermäßigen Lärmquellen. „Ich gönne mir Ruhephasen, um neue Energie zu tanken“, erklärt sie. Auch der Austausch mit anderen Hochsensiblen gibt ihr Halt.
Hochsensibilität erkennen
Ein Test kann Aufschluss darüber geben, ob jemand hochsensibel ist. Wer häufig von lauten Geräuschen oder hellem Licht überwältigt wird, könnte betroffen sein. Jessica rät, sich nicht zu verstecken, sondern offen mit der eigenen Empfindsamkeit umzugehen. „Es ist eine Gabe, die man nutzen kann.“
Heute ist Jessica dankbar für ihre Hochsensibilität. Sie hat gelernt, sich selbst zu akzeptieren und ihre Stärken zu betonen. Ihr Tipp an andere: „Hört auf euren Körper und nehmt euch Zeit für das, was euch guttut.“



