Gedenkstätte für Hatun Sürücü in Berlin eingeweiht
Gedenkstätte für Hatun Sürücü in Berlin

Gesellschaft muss Ehrenmorde verurteilen: Berlin gedenkt Hatun Sürücü mit neuer Gedenkstätte

In Berlin ist eine Gedenkstätte für Hatun Sürücü eingeweiht worden. Sie soll an ihr Schicksal erinnern und als Mahnung dienen. Die 23-jährige Deutsch-Türkin wurde am 7. Februar 2005 in Berlin-Tempelhof von einem ihrer Brüder erschossen, weil ihre Familie ihren selbstbestimmten Lebensstil ablehnte. Der neue Gedenkort befindet sich im islamischen Teil des Landschaftsfriedhofs Gatow im Bezirk Spandau.

Einweihung mit prominenten Gästen

An der feierlichen Zeremonie nahmen Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU), Spandaus Bezirksbürgermeister Frank Bewig (CDU) und die Frauenrechtlerin Seyran Ateş teil. Auch Hatun Sürücüs Sohn war anwesend und dankte allen, die sich für die neue Grabstätte eingesetzt haben. „Heute war ihr Sohn hier. Er musste ohne seine Mutter aufwachsen, weil sie im Namen der sogenannten Ehre ermordet wurde – nur weil Hatun frei und unabhängig leben wollte“, sagte Kai Wegner.

Hintergrund der Tat

Hatun Sürücü wurde am 7. Februar 2005 an einer Bushaltestelle in Tempelhof erschossen. Sie war 23 Jahre alt. Ihr Tod löste bundesweit Empörung und eine Debatte über patriarchale Strukturen in muslimischen Einwandererfamilien aus. Gegen den Willen ihrer Familie hatte sie ihr Kopftuch abgelegt und eine Ausbildung zur Elektrikerin absolviert. Ihr westlicher Lebensstil wurde als Verletzung der Familienehre angesehen. Der Täter, einer ihrer Brüder, wurde zu mehr als neun Jahren Jugendstrafe verurteilt und nach der Haft in die Türkei abgeschoben. Ein Gericht in Istanbul sprach zwei weitere Brüder vom Vorwurf der Beihilfe frei.

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Gedenkstätte als Ort der Erinnerung und Mahnung

Der Bezirk Spandau schuf die neue Grabstätte, nachdem die reguläre 20-jährige Ruhefrist für Hatun Sürücüs ursprüngliches Grab abgelaufen war. „Der Bezirk wollte zeigen, dass er gegen die Verfolgung von Frauen steht“, erklärte Bezirksstadtrat Thorsten Schatz (CDU) dem Sender RBB 88.8. „Hatun Sürücüs Tod darf nicht in Vergessenheit geraten und ist bis heute eine Mahnung.“ An dem Gedenkstein wurde eine Tafel mit der Aufschrift angebracht: „Im Gedenken an alle Frauen, die sich Zwang und Unterwerfung widersetzt haben, weil sie ein selbstbestimmtes Leben führen wollten, und deshalb Opfer von Gewalt wurden.“

Ehrenmorde müssen gesellschaftlich geächtet werden

Wegner dankte dem Bezirk für die Einrichtung der neuen Grabstätte. Sie sei sowohl ein Ort des Gedenkens als auch eine Warnung. „Ehrenmorde müssen gesellschaftlich verurteilt werden. Wir müssen klar sagen, dass sogenannte Ehrenmorde nichts mit Ehre zu tun haben“, betonte der CDU-Politiker. „Dafür brauchen wir Orte wie diesen, wir brauchen Erinnerung. Vor allem aber müssen wir Verantwortung übernehmen, um Frauen zu schützen.“

Sohn spricht über seine Mutter

Can Sürücü war fünf Jahre alt, als seine Mutter ermordet wurde. „Ich bin stolz auf meine Mutter“, sagte er bei einer Veranstaltung im Roten Rathaus Berlin anlässlich des 21. Jahrestages ihres Todes im Februar. Die neue Gedenkstätte soll sicherstellen, dass ihr Schicksal auch für zukünftige Generationen nicht vergessen wird.

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