Ex-Lehrer in Berlin zu mehrjähriger Haft verurteilt
Das Landgericht Berlin hat einen ehemaligen Vertretungslehrer wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Schülerinnen zu einer Haftstrafe von fünf Jahren und drei Monaten verurteilt. Der 39-Jährige wurde unter anderem der Vergewaltigung in einem Fall und des sexuellen Missbrauchs von Schutzbefohlenen in 19 Fällen für schuldig befunden. Die Taten ereigneten sich zwischen März 2016 und März 2020, wobei der Tatort häufig die Gartenlaube des Angeklagten in Berlin war.
Systematisches Vorgehen des Lehrers
Der Mann, der an verschiedenen Schulen als Vertretungslehrer für Physik und Geografie arbeitete, nutzte nach Überzeugung des Gerichts bewusst seine Autoritätsstellung und das Vertrauen der betroffenen Mädchen aus. Die Opfer waren zwischen 15 und 17 Jahre alt. „Er kannte ihre Lebensumstände, ihre Probleme, er bot Hilfe an, er war der Lehrer auf Augenhöhe, der das Du anbot“, hieß es im Urteil. Der Lehrer sei stets nach einem ähnlichen Schema vorgegangen: Er baute eine persönliche Nähe auf, indem er Hilfe bei familiären oder persönlichen Problemen anbot, und nutzte die entstehende emotionale Abhängigkeit für sexuelle Kontakte aus.
Einzelfälle der Anklage
Im Februar 2018 soll der damals 32-Jährige eine 15-Jährige vergewaltigt haben, die keinerlei sexuelle Erfahrungen hatte. Von Januar bis Juli 2019 kam es in 16 Fällen zu sexuellen Handlungen an einer 16-Jährigen. Der Lehrer hatte von ihren familiären Schwierigkeiten erfahren und diese gezielt ausgenutzt, um eine persönliche Bindung herzustellen. Auch im letzten Fall im März 2020 nutzte er Hilfsangebote, um das Vertrauen einer weiteren 16-Jährigen zu gewinnen. Das Gericht betonte, dass die Hilfe „nicht ohne Hintergedanken“ erfolgte.
Reaktionen und Urteil
Der Angeklagte hatte zu Prozessbeginn sexuelle Kontakte zu den Schülerinnen eingeräumt und sich entschuldigt, bestritt jedoch den Vorwurf der Vergewaltigung und behauptete, es habe Einverständnis gegeben. Die Staatsanwaltschaft hatte fünfeinhalb Jahre Haft gefordert, der Verteidiger plädierte auf Freispruch. Der Lehrer ist seit 2021 nicht mehr im Schuldienst tätig und gab an, sein Leben sei durch die Vorwürfe „aus den Fugen geraten“. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.



