Der Alltag in vielen Familien ist von Stress, Streit und Geschrei geprägt – und raubt Eltern enorm viel Kraft. Die Pädagogin Heidy de Blum ist überzeugt: Es geht auch anders. Im Interview mit dem Tagesspiegel erläutert sie, wie Eltern aus veralteten Erziehungsmustern ausbrechen können und warum die eigenen Bedürfnisse genauso wichtig sind wie die des Kindes.
Autoritäre Erziehung: Deutschland im Wandel
Auf die Frage, wie viele Eltern im Jahr 2026 noch klassisch autoritär erziehen, antwortet de Blum: „Ich finde, wir sind schon sehr weit gekommen.“ Als Beispiel nennt sie das gesetzliche Verbot körperlicher Bestrafung in Deutschland, während diese etwa in den USA noch legal und akzeptiert sei. Dennoch steckten auch hierzulande viele Eltern in alten Mustern fest, und zu viele Kinder erlebten Gewalt. Positiv hebt sie hervor: „Doch es hat sich in den letzten 20 Jahren wirklich viel geändert.“
Bedürfnisorientierte Erziehung als Ausweg
De Blum plädiert für einen Perspektivwechsel: Eltern sollten lernen, dass ihre eigenen Bedürfnisse gleichwertig sind. „Ach so, meine Bedürfnisse sind genauso wichtig wie die des Kindes?“, beschreibt sie den Aha-Moment vieler Mütter und Väter. Eine bedürfnisorientierte Erziehung könne den Familienalltag entlasten und langfristig zu mehr Harmonie führen. Die Pädagogin rät, sich bewusst Auszeiten zu nehmen und Grenzen zu setzen – ohne Schuldgefühle.
Praktische Tipps für den Alltag
Um aus der Stressfalle zu entkommen, empfiehlt de Blum, feste Rituale zu etablieren und Konflikte frühzeitig anzusprechen. Wichtig sei auch, sich selbst zu reflektieren: „Eltern müssen verstehen, dass Perfektionismus nicht nötig ist.“ Stattdessen sollten sie auf eine wertschätzende Kommunikation setzen und Fehler als Lernchancen begreifen. Nur so könnten sie langfristig Kraft schöpfen und eine liebevolle Beziehung zu ihren Kindern aufbauen.



