Die polnische Journalistin und Aktivistin Klementyna Suchanow ist am Sonntag mit dem Friedenspreis Dresden 2026 ausgezeichnet worden. Die Verleihung fand im Rahmen eines Festakts in der Dresdner Semperoper statt. Die Laudatio hielt der ehemalige luxemburgische Außenminister Jean Asselborn. Das künstlerische Begleitprogramm gestalteten der Jazz-Pianist Dominik Wania, der deutsche Rapper Juse Ju und die Dresdner Tänzerin Katja Erfurth.
Suchanow wurde für ihr Engagement für Rechtsstaatlichkeit, Menschenrechte und Frieden geehrt. Die 1974 in Kamienna Góra geborene Literaturwissenschaftlerin promovierte in Warschau. Nachdem die Partei PiS an die Macht kam und legale Abtreibungen in Polen faktisch unmöglich machte, organisierte Suchanow Proteste. Sie wurde Mitbegründerin der Bewegung „Ogólnopolski Strajk Kobiet“ (Allpolnischer Frauenstreik), die regelmäßig Zehntausende Menschen auf die Straße brachte. Dafür wurde sie verfolgt, festgenommen und in der Haft misshandelt.
In ihrem jüngsten Buch „Das ist Krieg“ analysiert Suchanow die globalen Kräfte, die ihrer Ansicht nach zu einer Einschränkung von Freiheiten und einem Erstarken ideologischen Fundamentalismus führen. Diese Entwicklung beobachte sie nicht nur in Polen, sondern auch in Lateinamerika. Peter Ufer, geschäftsführender Gesellschafter des Preises, erklärte, dass die Jury aus Leitungspersönlichkeiten großer Dresdner Institutionen bestehe. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert, gestiftet von der Klaus-Tschira-Stiftung.
Suchanow zeigte sich überrascht über die Auszeichnung: „Ich habe mich daran gewöhnt, unterdrückt und überwacht zu werden. Ausgezeichnet zu werden ist etwas Neues.“ Der Friedenspreis Dresden wird seit 2010 jährlich vergeben und ehrt Persönlichkeiten, die sich um Menschenrechte und Frieden verdient gemacht haben. Frühere Preisträger sind unter anderem Michail Gorbatschow, Daniel Barenboim und Alexej Nawalny. Im vergangenen Jahr wurde der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte ausgezeichnet.



