Der Buckelwal „Timmy“ beschäftigt Deutschland auch nach seinem Tod. Wochen nach dem Ableben des Meeressäugers erreichen die Staatsanwaltschaft Schwerin zahlreiche Anzeigen und Hinweise. Gleichzeitig laufen auf der dänischen Insel Anholt die Vorbereitungen für eine umfassende Obduktion des Kadavers.
Hunderte Eingänge mit Wal-Bezug
Jonas Krüger, Sprecher der Staatsanwaltschaft Schwerin, teilte der Deutschen Presse-Agentur mit, dass die Anzahl der Vorgänge mit Bezug zu dem Wal mittlerweile dreistellig sei. Eine derartige Flut von Eingaben sei für die Behörde ein neues Phänomen. Die Meldungen stammen nicht nur aus Mecklenburg-Vorpommern, landen aber aufgrund der Zuständigkeit in Schwerin. Es handele sich nicht ausschließlich um Strafanzeigen, sondern auch um Hinweise. Bürger hätten ihre Hilfe angeboten und diese an zahlreiche Stellen geschickt. „Ich kann auch mit Walen reden“, habe beispielsweise jemand geschrieben. Krüger bezeichnete einige der Mitteilungen als „aberwitzig“.
Anzeigen gegen Minister und Ministerpräsidentin
Die eingegangenen Anzeigen zielen in verschiedene Richtungen. Aus der Zeit, in der man sich dafür entschieden hatte, den Wal weitgehend in Ruhe zu lassen, stammen Vorwürfe der unterlassenen Hilfeleistung. Später gingen Anzeigen wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz ein, die sich gegen die Transportmaßnahmen richteten. Die Anzeigen richten sich gegen zahlreiche Personen, darunter Beteiligte des Transports. Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) wurde aus unterschiedlichsten Gründen angezeigt – sowohl wegen Untätigkeit als auch wegen seines Handelns. Auch Mitarbeiter des Deutschen Meeresmuseums, das nicht an der Bergung beteiligt war, wurden angezeigt. Krüger hat den Eindruck, dass praktisch jeder, der durch die Medienberichterstattung mit dem Wal in Verbindung gebracht wurde, eine Anzeige erhielt. Selbst Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD), die sich aus dem Fall heraushielt, blieb nicht verschont.
Zuständigkeit und Weiterleitung
Die Zuständigkeit der Staatsanwaltschaft Schwerin ergibt sich daraus, dass sich der Wal lange Zeit vor der Insel Poel befand. Für diesen Bereich ist das Amtsgericht Wismar und damit die Schweriner Staatsanwaltschaft zuständig. Wenn jemand andernorts in Deutschland online eine Anzeige erstattet, wird diese in der Regel an die Polizeidienststelle des Wohnorts weitergeleitet. Die Polizei gibt den Vorgang dann an die zuständige Staatsanwaltschaft, die ihn nach Schwerin weiterleitet. Krüger konnte nicht abschätzen, wie viele weitere Eingaben noch eingehen werden. Auch sei unklar, ob tatsächlich Anhaltspunkte für Ermittlungen vorliegen. Teilweise werden Vorgänge zusammengefasst. Die Behörden müssen jedoch alle Eingänge sichten.
Obduktion auf Anholt vorbereitet
Währenddessen laufen auf der dänischen Insel Anholt die Vorbereitungen für die Untersuchung des Buckelwals. Ein Bergungsteam hatte den Kadaver am Wochenende mit einem Stahlseil aus dem flachen Wasser an den Strand gezogen. Mit einem Radlader wurde der sandige Untergrund rund um den Wal geglättet, anschließend wurden Metallplatten ausgelegt. Am Donnerstagnachmittag wollen Tierärzte und Wal-Experten den Kadaver untersuchen. Die Obduktion soll etwa sechs Stunden dauern und klären, woran das Tier gestorben ist. Ursprünglich hatten die dänischen Behörden versucht, den Kadaver in einen Hafen zu ziehen. Nachdem dies misslang, wird der Wal nun direkt am Strand obduziert. Absperrbänder sollen Schaulustige fernhalten, da die Behörden vor Ansteckungsgefahr warnen.



