In Mexiko sorgt ein selbst ernannter Rächer für Aufsehen: Ein Unbekannter, der in den sozialen Medien als „Batman von Lagos de Moreno“ bezeichnet wird, soll mutmaßliche Motorraddiebe jagen, fesseln und öffentlich bloßstellen. Der mexikanische Journalist Luis Cárdenas berichtete am 24. Juni auf X über den Fall und veröffentlichte Fotos, die in den sozialen Netzwerken weit verbreitet wurden.
Fünf Diebe in zehn Tagen gefasst
Laut Cárdenas, der für „MVS Noticias“ und „El Universal“ arbeitet, habe der anonyme Held innerhalb von zehn Tagen fünf Diebe erwischt und an Laternen gefesselt. Auf den drei veröffentlichten Bildern sind vier Männer zu sehen, die mit Klebeband an Straßenlaternen gefesselt sind. Neben ihnen stehen Motorräder, bei denen es sich mutmaßlich um Diebesgut handelt. Drei der Gefesselten tragen mit Filzstift das Wort „Ratero“ (spanisch für „Dieb“) auf der Stirn sowie aufgemalte Katzenbärte. An einem Laternenmast wurde ein pinkfarbenes Plakat angebracht, das die angeblichen Missetaten der Diebe detailliert beschreibt, wie die britische Zeitung „The Sun“ berichtete.
Polizei behandelt Gefesselte als Opfer
Die Polizei von Lagos de Moreno im Bundesstaat Jalisco behandelt die gefesselten Männer als Opfer, da sie Prellungen und Blutergüsse aufweisen. Der Staatssicherheitssekretär Juan Pablo Hernández erklärte gegenüber „The Sun“, dass mittlerweile fünf derartige Fälle gemeldet wurden. Die Polizei sei dem mutmaßlichen Täter „dicht auf den Fersen“ und habe zwei Fahrzeuge identifiziert, die mit den Angriffen in Verbindung stehen könnten. Die erste gefesselte Person wurde am 13. Juni in Lagos de Moreno aufgefunden, weitere folgten in den darauffolgenden Tagen. Die veröffentlichten Fotos und Angaben ließen sich bislang nicht unabhängig überprüfen.
Selbstjustiz als Ausdruck von Misstrauen gegenüber Behörden
Der Fall wirft ein Schlaglicht auf das weit verbreitete Misstrauen gegenüber den Behörden in Mexiko, wo viele Bürger das Gefühl haben, dass die Polizei nicht ausreichend gegen Kriminalität vorgeht. Cárdenas schrieb, der anonyme Held habe nach dem „Ausbleiben von Hilfe durch die Behörden“ begonnen, Motorraddiebe zu jagen. Die Selbstjustizaktionen stoßen jedoch auf Kritik, da sie rechtsstaatliche Prinzipien untergraben. Die Polizei fahndet nun nach dem „Batman von Lagos de Moreno“, der sich wegen Freiheitsberaubung und Körperverletzung strafbar gemacht haben könnte. Der Fall erinnert an frühere Vorfälle von Selbstjustiz in Mexiko, bei denen Bürger mutmaßliche Straftäter eigenmächtig bestraften. Die Behörden warnen vor solchen Aktionen und betonen, dass nur die Justiz zur Bestrafung von Straftaten befugt sei.



