Altersarmut in Deutschland: Jeder Fünfte gefährdet
Eine neue Studie des Paritätischen Gesamtverbands zeigt, dass in Deutschland rund 5,4 Millionen Menschen über 65 Jahren von Altersarmut bedroht sind. Das entspricht etwa 20 Prozent dieser Altersgruppe. Besonders betroffen sind Frauen und Menschen mit Migrationshintergrund.
Studie: Altersarmut hat sich verdoppelt
Im Vergleich zum Jahr 2005 hat sich die Zahl der von Altersarmut bedrohten Menschen nahezu verdoppelt. Damals lag die Quote noch bei etwa 11 Prozent. Der Paritätische Gesamtverband fordert daher eine grundlegende Reform der Rentenpolitik.
„Die Zahlen sind alarmierend. Wir brauchen eine armutsfeste Rente, die ein würdevolles Leben im Alter ermöglicht“, sagt Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands.
Ursachen: Niedriglohnsektor und prekäre Beschäftigung
Als Hauptursachen für die steigende Altersarmut nennt die Studie den wachsenden Niedriglohnsektor und die Zunahme prekärer Beschäftigungsverhältnisse wie Minijobs und befristete Verträge. Viele Betroffene hätten im Laufe ihres Erwerbslebens nicht ausreichend in die Rentenkasse einzahlen können.
Besonders Frauen sind betroffen, da sie häufiger in Teilzeit arbeiten oder wegen Kindererziehung beruflich kürzertreten. Zudem beziehen viele Frauen nach einer Scheidung nur eine geringe eigene Rente.
Regionen mit höchster Altersarmut
Die Studie zeigt auch regionale Unterschiede: In Ostdeutschland ist die Altersarmutsquote mit rund 25 Prozent deutlich höher als im Westen (18 Prozent). Besonders betroffen sind ländliche Regionen mit schwacher Wirtschaftskraft.
In Städten wie Berlin, Bremen und dem Ruhrgebiet liegt die Quote ebenfalls über dem Durchschnitt. In Bayern und Baden-Württemberg sind die Werte dagegen vergleichsweise niedrig.
Forderungen: Höhere Renten und bessere Absicherung
Der Paritätische Gesamtverband fordert eine Erhöhung des Rentenniveaus sowie eine bessere Absicherung von Erwerbsminderungsrenten. Zudem müssten Minijobs stärker sozialversicherungspflichtig werden.
„Die Politik muss endlich handeln. Altersarmut ist kein Schicksal, sondern das Ergebnis falscher Weichenstellungen“, betont Schneider.
Die Studie basiert auf Daten des Mikrozensus und der amtlichen Statistik für das Jahr 2023.



