Aktivisten kleben „Nius“-Werbung in Berlin zu: „Wie 1933“
Aktivisten kleben „Nius“-Werbung zu: „Wie 1933“

In Berlin sorgt die Werbekampagne des als rechtspopulistisch geltenden Portals „Nius“ für Proteste. Aktivisten der Initiative „Nius raus aus der GSG“ haben begonnen, die Plakate in Bussen und U-Bahnen mit eigenen Stickern zu überkleben. Auf den Aufklebern stehen Slogans wie „Morgens um 6 schon wissen, wie 1933 alles anfing“ oder „Die Wahrheit: wir sind broke“. Letzterer spielt auf die angeblichen finanziellen Schwierigkeiten von „Nius“ an.

Campact begleitet BVG-Bus

Die Kampagnenorganisation „Campact“ begleitet einen BVG-Bus der Linie 282 mit einem Transporter, auf dem ein konterndes Banner prangt: „Morgens um 6 schon Lügen & Hetze verbreiten“. Damit reagiert Campact auf die großflächige „Nius“-Werbung auf der Seitenfläche des Busses, die mit dem Slogan „Morgens um 6 schon wissen, was einem abends um 8 verschwiegen wird“ die ARD-Tagesschau attackiert.

Kritik von Journalistenverbänden

Die Deutsche Journalistinnen und Journalisten Union (dju) in ver.di kritisierte „Nius“ scharf. In einem offenen Brief an die BVG schrieben die Vorsitzenden Peter Freitag und Lars Hansen, „Nius“ sei „kein journalistisches Medium, sondern bestenfalls ein Journalismus-Simulant“. Das Portal betreibe gezielte Hetze gegen Minderheiten. Die BVG, die für Offenheit und Vielfalt stehe, mache sich mit der Werbung unglaubwürdig – viele Fahrgäste hätten einen Migrationshintergrund.

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BVG und Bahn verweisen auf Vertragspartner

Die BVG erklärte, Werbung sei nicht mit der Haltung des Unternehmens gleichzusetzen. Man stehe für Offenheit, Respekt und Demokratie. Die Vermarktung der Werbeflächen erfolge durch Vertragspartner. „Wir stellen Flächen zur Verfügung – wir sind nicht Absender der dort beworbenen Inhalte“, so ein Sprecher.

Auch am Berliner Hauptbahnhof ist „Nius“-Werbung präsent. Die Deutsche Bahn gab die Verantwortung an den Vermarkter Ströer DERG Media GmbH ab. Eine Bahnsprecherin sagte dem Deutschlandfunk, man habe verschiedene Motive der Kampagne abgelehnt, sei aber von „Nius“ juristisch gezwungen worden, zumindest einige zu schalten. Ströer teilte mit, als Vermarkter nicht für Inhalte verantwortlich zu sein und Werbung nicht ablehnen zu können, die nicht gegen Gesetze verstoße.

„Nius“-Programm: Kampf gegen die Tagesschau

Die Kampagne gegen die Tagesschau ist Teil des „Nius“-Programms. So wurde etwa ein Beitrag über Ausschreitungen nach dem Champions-League-Sieg von Paris Saint-Germain mit dem Titel „‚Ausgelassen gefeiert‘: Tagesschau verharmlost Chaos-Nacht von Paris“ versehen. Im Tickerband hieß es „Fußball-Chaoten zünden Paris an“ und „Chaoten überwiegend Migranten“. Fußball-Experte Waldemar Hartmann bezeichnete PSG als „überwiegend islamischen“ Verein, dessen Fans in sozial schwachen Pariser Banlieues rekrutiert würden.

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