Der Antisemitismus in Deutschland bleibt auch im Jahr 2025 auf einem hohen Niveau. Der Bundesverband der Recherche- und Informationsstellen Antisemitismus (Rias) veröffentlichte am Mittwoch in Berlin seinen aktuellen Bericht. Demnach wurden im vergangenen Jahr 8725 antisemitische Vorfälle gemeldet – das sind knapp 24 pro Tag. Die Zahl liegt leicht über dem Wert von 2024, aber mehr als dreimal so hoch wie im Jahr vor dem Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023.
Rechtsextreme Vorfälle auf Höchststand
Besonders besorgniserregend ist der Anstieg rechtsextremer Vorfälle: Mit 807 Fällen wurde ein neuer Höchststand erreicht, ein Plus von 562 auf 807. Der Anteil liegt bei neun Prozent. Auch antisemitische Vorfälle mit links-antiimperialistischem Hintergrund nahmen zu – von vier auf sechs Prozent. Die Lage im Nahen Osten diente vielen als Anlass für antisemitische Äußerungen oder Angriffe. Mehr als zwei Drittel der Vorfälle (68 Prozent) werden als „israelbezogener Antisemitismus“ eingestuft.
Extreme Gewalt und Bedrohungen
Vier Fälle „extremer Gewalt“ wurden dokumentiert, darunter der Messerangriff eines Islamisten auf einen Touristen am Holocaust-Mahnmal in Berlin. Insgesamt gab es 178 Angriffe, 257 Bedrohungen und 413 gezielte Sachbeschädigungen. Die Dunkelziffer dürfte jedoch höher liegen, da nur gemeldete Fälle erfasst werden.
Hass im Internet nimmt zu
Ein Viertel aller Vorfälle (27 Prozent) ereignete sich online. Der Bericht stellt fest, dass Antisemitismus im Netz ungehemmter artikuliert wird, besonders bei Bedrohungen und der Verwendung von Symbolen. Das Bundesamt für Verfassungsschutz warnte ebenfalls vor einer schnellen Radikalisierung im Internet. Rechtsextreme nutzten die Eskalation im Nahostkonflikt, um migrationsfeindliche und antisemitische Positionen zu verbreiten.
Antisemitismus auch in der Linksjugend
Der Bayerische Rundfunk berichtete, dass Funktionäre der Linksjugend in internen Chats antisemitische Aussagen verbreitet und die Hamas verharmlost haben sollen. Der ehemalige Landessprecher Michael Ulbig sagte: „Die Linksjugend hat sich zunehmend antisemitisch entwickelt.“ Dies zeigt, dass Antisemitismus auf beiden Seiten des politischen Spektrums ein Problem ist.



