Berlin könnte im Herbst einen politischen Machtwechsel erleben: Die Linke liegt in einer aktuellen Umfrage erstmals auf Platz eins, während die CDU von Regierendem Bürgermeister Kai Wegner dramatisch auf den vierten Platz abrutscht. Die am Mittwochabend vom RBB veröffentlichte Erhebung des Meinungsforschungsinstituts Infratest sieht die Linke mit 20 Prozent vor den Grünen (19 Prozent) und der AfD (18 Prozent). Die CDU kommt nur noch auf 17 Prozent – ein Minus von zwei Prozentpunkten im Vergleich zur Vorumfrage. Die SPD liegt mit 13 Prozent abgeschlagen auf dem letzten Platz, BSW und FDP scheitern mit je drei Prozent an der Fünf-Prozent-Hürde.
Rot-Rot-Grün unter Linken-Führung möglich
Mit diesen Werten hätte ein rot-rot-grünes Bündnis eine komfortable Mehrheit – diesmal allerdings unter Führung der Linken. Deren Spitzenkandidatin Elif Eralp (45) könnte damit Kai Wegner als Regierende Bürgermeisterin ablösen. Bei der Linken zeigt man sich zuversichtlich: „Diese Zahlen geben uns Rückenwind, sind eine Motivation“, heißt es aus der Partei. Gleichzeitig mahnt man zur Besonnenheit: „Der große Wahlkampf liegt erst noch vor uns.“
CDU verliert über elf Prozentpunkte seit 2023
Bei der CDU versucht man, die Umfrage herunterzuspielen. Ein Parteisprecher sagte: „Vier Parteien liegen nah beieinander, die Messe ist noch nicht gesungen.“ Die Infratest-Umfrage sei „kein großes Drama“. Dennoch ist der Absturz bemerkenswert: Bei der Abgeordnetenhauswahl im Februar 2023 hatte Wegner noch 28,2 Prozent erzielt. Der aktuelle Wert von 17 Prozent bedeutet einen Verlust von über elf Prozentpunkten.
Linke profitiert von starkem Haustürwahlkampf
Die Erfolge der Linken sind kein Zufall. Bereits bei der Bundestagswahl 2025 holte die Partei in Berlin 19,9 Prozent und wurde damit stärkste Kraft in der Hauptstadt. Möglich wurde dies durch einen intensiven Haustürwahlkampf, für den die Linke Helfer aus ganz Deutschland und sogar dem Ausland mobilisierte. Die Partei setzt weiter auf diese Strategie, um ihre Basis zu stärken.
Die SPD, die einst die Hauptstadt regierte, liegt mit 13 Prozent abgeschlagen auf dem letzten Platz. Auch BSW und FDP haben derzeit keine Chance auf den Einzug ins Abgeordnetenhaus. Die Wahl in Berlin findet im Herbst statt – die Umfrage zeigt, dass die politische Landschaft in der Hauptstadt in Bewegung ist.



