Angesichts des erneuten Ausfalls der Schleifähre „Missunde III“ hat Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen (CDU) eine Rückkehr zu ihrem Vorgängermodell kategorisch ausgeschlossen. „Viele wollten für diese Region eine moderne neue Fähre haben, und am Ende ist dann eine Bestellung ausgelöst worden“, erklärte Madsen im Wirtschaftsausschuss des Landtags in Kiel. Zudem werde das Fährzeugnis für die alte „Missunde II“ immer nur quartalsweise ausgestellt.
Keine einfache Lösung für die alte Fähre
Madsen räumte ein, dass er die Forderungen aus der Region nach einer Rückkehr der „Missunde II“ durchaus nachvollziehen könne. Allerdings benötige auch dieses Schiff Reparaturen und habe in der Vergangenheit immer wieder mit Pannen zu kämpfen gehabt. Selbst umfangreiche Reparaturmaßnahmen böten keine Garantie dafür, dass das Schiff ein Fährzeugnis erhalte. Hinzu komme, dass die Rampen zurückgebaut werden müssten. All diese Umstände, so Madsen, würden dazu führen, dass es im Sommer keine Fährverbindung zwischen Kosel-Missunde und Brodersby (Kreis Schleswig-Flensburg) geben würde. „Die Chance, die wir im Moment haben, ist, dass wir die 'Missunde III' zum Laufen bekommen“, betonte der Minister.
Missunde III: Pannen und Reparaturen
Die „Missunde III“ verkehrt seit Ende April auf der Strecke zwischen Brodersby und Kosel-Missunde – zwei Jahre später als ursprünglich geplant. Die Solarfähre startete verspätet, weil sowohl das Schiff selbst als auch die Anleger umgebaut werden mussten. Seit Ende Mai ist der Antriebsriemen defekt und wird derzeit ersetzt, wie der Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig-Holstein mitteilte.
Betreiber droht mit Kündigung
Angesichts der anhaltenden Probleme mit der „Missunde III“ hat der Pächter der Fährverbindung laut den „Kieler Nachrichten“ angekündigt, den Vertrag zu kündigen. Wirtschaftsminister Madsen erklärte im Ausschuss, dass die angekündigte Kündigung bisher noch nicht eingegangen sei. „Sollte der Fährbetreiber daran festhalten und tatsächlich eine Kündigung aussprechen, werden wir natürlich den Fährbetrieb ausschreiben und uns um einen neuen Betreiber kümmern“, so Madsen.
Wiederaufnahme des Betriebs Mitte Juni
Der Minister rechnet damit, dass die „Missunde III“ voraussichtlich am 15. oder 16. Juni den Betrieb wieder aufnehmen wird. Er zeigte sich zuversichtlich, dass die Fähre dann länger im Einsatz bleiben werde. Sollten erneut Probleme auftauchen, wolle man auch diese zügig lösen.
Kritik aus der Opposition
Der FDP-Abgeordnete und frühere Wirtschaftsminister Bernd Buchholz äußerte sich im Wirtschaftsausschuss kritisch zur aktuellen Situation. Für die Schleifähre gebe es zwei Optionen: Entweder werde die „Missunde III“ repariert, oder – falls sie sich nicht dauerhaft betreiben lasse – müsse ein Neubau erfolgen. „Die 'Missunde III' ist nicht nur überdimensioniert, sondern sie ist für den Fährbetrieb an dieser Stelle aus meiner Sicht eine Fehlkonstruktion“, kritisierte Buchholz. Bei weiteren schwerwiegenden Problemen sprach er sich für eine kleinere, besser geeignete Fähre aus.
Die SSW-Abgeordnete Sybilla Nitsch vermisst einen belastbaren Plan für den Fall, dass der erneute Reparaturversuch scheitert. „Natürlich kann niemand garantieren, dass eine Fähre nie wieder ausfällt“, sagte sie. Doch wenn das Vertrauen in die „Missunde III“ verloren gegangen sei, reiche es nicht mehr, nur auf die nächste technische Lösung zu verweisen.
Die SPD-Abgeordnete Birte Pauls äußerte zudem Zweifel, ob sich nach einer Kündigung des aktuellen Betreibers überhaupt ein neuer Pächter finden ließe. Sollte der jetzige Betreiber erklären, dass sich der Betrieb nicht lohne und nicht finanzierbar sei, könne sie sich kaum vorstellen, dass jemand anderes einspringt. Sie brachte zudem einen Ausgleich für Einnahmeverluste ins Gespräch.



