Jobcenter Bremen: Chef muss wegen 906.000 Euro teurem Kreativraum gehen
Jobcenter Bremen: Chef muss wegen teurem Kreativraum gehen

Nach massiver Kritik an einem fast eine Million Euro teuren Besprechungsraum hat der Geschäftsführer des Bremer Jobcenters seinen Posten verloren. Die Trägerversammlung entband Thorsten Spinn mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben, wie die Arbeitsagentur und das Arbeitsressort mitteilten. Der sogenannte „Kreativraum“ mit Designermöbeln kostete rund 906.000 Euro.

Trägerversammlung kritisiert fehlende Verhältnismäßigkeit

Die Trägerversammlung, der Vertreter des Jobcenters, des Arbeits- und des Finanzressorts angehören, kritisierte, dass die Kosten in keinem Verhältnis stünden. Sie sei nach eigenen Angaben nicht über die Ausgaben informiert gewesen. Weitere 293.000 Euro entfielen auf einen Raum für ein Projekt für Frauen in der Arbeitswelt.

Arbeitssenatorin zeigt sich entsetzt

Bremens Arbeitssenatorin Claudia Schilling (SPD) zeigte sich entsetzt: „Die vorliegenden Erkenntnisse haben das Vertrauen der Träger in die Geschäftsführung nachhaltig erschüttert. Vor diesem Hintergrund war die Entscheidung erforderlich, Thorsten Spinn als Geschäftsführer abzuberufen.“ Die Trägerversammlung kündigte an, über weitere organisatorische, personelle und haushaltsrechtliche Konsequenzen zu beraten und den Skandal vollständig aufzuklären.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Zweiter Skandal: Fristlose Kündigung eines Mitarbeiters

Bereits Anfang der Woche war das Jobcenter Bremen in die Schlagzeilen geraten, als bekannt wurde, dass einem Mitarbeiter nach Kritik an seinem Arbeitgeber fristlos gekündigt worden war. Fred Göcken hatte in der ZDF-Dokumentation „Am Puls mit Sarah Tacke – System Bürgergeld: Leben ohne Leistung?“ die Vermutung geäußert, dass zwischen 30 und 40 Prozent der Bürgergeldempfänger keine wahren Angaben in ihren Anträgen machten. Die Stadt Bremen kündigte ihm daraufhin wegen Diffamierung des Jobcenters. Göcken kündigte an, juristisch gegen die Kündigung vorzugehen.

Laut einer Befragung der Bertelsmann Stiftung suchen viele Bürgergeldempfänger selbst kaum oder gar nicht nach einer Anstellung, hauptsächlich aufgrund gesundheitlicher Probleme. 43 Prozent gaben an, noch nie ein Angebot vom Jobcenter erhalten zu haben.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration